Beschaffungsmarktanalyse

Wirtschaftslexikon · Begriffe · Lesezeit ~14 Min

Eine Beschaffungsmarktanalyse ist die systematische Untersuchung von Märkten, aus denen ein Unternehmen Rohstoffe, Materialien, Komponenten, Dienstleistungen oder Betriebsmittel bezieht. Ziel ist es, die Struktur und Entwicklung eines Beschaffungsmarktes zu verstehen und daraus bessere Einkaufsentscheidungen abzuleiten.

Beschaffungsmarktanalyse: Definition, Methoden, Kennzahlen und Maßnahmen#

Was ist eine Beschaffungsmarktanalyse?#

Eine Beschaffungsmarktanalyse ist die systematische Untersuchung von Märkten, aus denen ein Unternehmen Rohstoffe, Materialien, Komponenten, Dienstleistungen oder Betriebsmittel bezieht.

Ziel ist es, die Struktur und Entwicklung eines Beschaffungsmarktes zu verstehen und daraus bessere Einkaufsentscheidungen abzuleiten.

Im Mittelpunkt stehen Fragen wie:

  • Welche Lieferanten sind verfügbar?
  • Wie groß ist das Angebot?
  • Wie entwickeln sich Einkaufspreise?
  • Wie abhängig ist das Unternehmen von einzelnen Lieferanten?
  • Welche Alternativen gibt es?
  • Welche Regionen sind für die Beschaffung attraktiv?
  • Wie hoch ist die Verhandlungsmacht der Lieferanten?
  • Welche Risiken bestehen?
  • Welche technologischen Veränderungen beeinflussen den Markt?
  • Welche Beschaffungsstrategie ist langfristig sinnvoll?

Die Beschaffungsmarktanalyse ist damit ein wichtiges Instrument für:

  • Einkauf
  • Supply Chain Management
  • strategische Beschaffung
  • Kostenmanagement
  • Risikomanagement
  • Lieferantenmanagement
  • Produktionsplanung
  • Standortstrategie

Eine gute Beschaffungsmarktanalyse beantwortet nicht nur:

„Wo können wir einkaufen?“

Sondern vor allem:

„Wo sollten wir unter Berücksichtigung von Kosten, Qualität, Versorgungssicherheit und Risiko einkaufen?“


Warum ist eine Beschaffungsmarktanalyse wichtig?#

Viele Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit ihren Absatzmärkten, betrachten ihre Beschaffungsmärkte jedoch deutlich weniger systematisch.

Dabei beeinflusst die Beschaffung unmittelbar:

  • Materialkosten
  • Lieferfähigkeit
  • Produktqualität
  • Margen
  • Produktionskapazität
  • Innovationsfähigkeit
  • Wettbewerbsfähigkeit

Gerade in Unternehmen mit einem hohen Materialkostenanteil können schon kleine Veränderungen der Einkaufspreise erhebliche Auswirkungen auf das Ergebnis haben.

Ein Beispiel:

Steigen die Kosten eines zentralen Rohstoffs deutlich, kann dies:

  • die Marge reduzieren,
  • Preiserhöhungen erforderlich machen,
  • die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtern oder
  • den Einsatz alternativer Materialien notwendig machen.

Die Beschaffungsmarktanalyse schafft deshalb Transparenz darüber, welche externen Faktoren die eigene Kosten- und Versorgungssituation beeinflussen.


Was wird bei einer Beschaffungsmarktanalyse untersucht?#

Eine umfassende Beschaffungsmarktanalyse betrachtet mehrere Dimensionen gleichzeitig.

1. Marktgröße#

Zunächst sollte untersucht werden, wie groß der jeweilige Beschaffungsmarkt ist.

Relevant können sein:

  • Produktionsvolumen
  • Absatzvolumen
  • Marktumsatz
  • verfügbare Kapazitäten
  • Anzahl der Anbieter

Ein kleiner Markt mit wenigen Anbietern kann beispielsweise höhere Risiken besitzen als ein großer, international diversifizierter Markt.


2. Angebotsstruktur#

Anschließend wird untersucht, wie das Angebot verteilt ist.

Wichtige Fragen sind:

  • Wie viele Lieferanten gibt es?
  • Wie groß sind die Anbieter?
  • Wie stark ist der Markt konzentriert?
  • Gibt es dominante Marktführer?
  • Gibt es alternative Anbieter?

Ein Markt mit wenigen dominierenden Lieferanten kann zu hoher Lieferantenmacht führen.


3. Nachfrageentwicklung#

Auch die Nachfrageseite muss berücksichtigt werden.

Dabei wird untersucht:

  • welche Branchen dieselben Materialien nachfragen,
  • wie schnell die Nachfrage wächst,
  • welche neuen Anwendungen entstehen,
  • ob Kapazitätsengpässe wahrscheinlich sind.

Ein Unternehmen konkurriert auf dem Beschaffungsmarkt mit anderen Unternehmen um dieselben Ressourcen.


Welche Beschaffungsmärkte sollte man analysieren?#

Nicht jeder Beschaffungsmarkt benötigt dieselbe Aufmerksamkeit.

Besonders wichtig sind Märkte für Produkte oder Leistungen, die:

  • einen hohen Kostenanteil besitzen,
  • schwer ersetzbar sind,
  • von wenigen Lieferanten stammen,
  • langen Lieferzeiten unterliegen,
  • hohe Qualitätsanforderungen besitzen,
  • starke Preisschwankungen aufweisen,
  • geopolitischen Risiken ausgesetzt sind.

Unternehmen sollten ihre Beschaffungsmärkte deshalb priorisieren.

Eine einfache Einteilung kann lauten:

hohe wirtschaftliche Bedeutung + hohes Versorgungsrisiko = höchste Analysepriorität


Welche Materialien und Leistungen sollten analysiert werden?#

Eine Beschaffungsmarktanalyse kann sich auf sehr unterschiedliche Kategorien beziehen.

Beispiele sind:

  • Rohstoffe
  • Metalle
  • Kunststoffe
  • Energie
  • Chemikalien
  • elektronische Komponenten
  • Maschinen
  • Verpackungen
  • Logistikleistungen
  • IT-Dienstleistungen
  • Beratungsleistungen
  • Bauleistungen
  • Software

Auch Dienstleistungen können einen strategisch wichtigen Beschaffungsmarkt darstellen.


Wie führt man eine Beschaffungsmarktanalyse durch?#

Eine professionelle Analyse kann in mehreren Schritten erfolgen.

1. Beschaffungsobjekt definieren#

Zunächst muss eindeutig festgelegt werden, was analysiert wird.

Beispiele:

  • Aluminium
  • Halbleiter
  • Transportdienstleistungen
  • Verpackungsmaterial
  • Cloud-Infrastruktur

Je genauer das Beschaffungsobjekt definiert wird, desto aussagekräftiger wird die Analyse.


2. Bedarf analysieren#

Anschließend sollte der eigene Bedarf untersucht werden.

Relevant sind:

  • Einkaufsvolumen
  • Mengen
  • Spezifikationen
  • Qualitätsanforderungen
  • Lieferfrequenz
  • benötigte Kapazitäten

Damit wird klar, welche Lieferanten grundsätzlich infrage kommen.


3. Lieferanten identifizieren#

Im nächsten Schritt wird eine Marktübersicht erstellt.

Dabei werden mögliche Lieferanten erfasst.

Dazu gehören:

  • bestehende Lieferanten
  • nationale Anbieter
  • internationale Anbieter
  • neue Marktteilnehmer
  • alternative Technologien

4. Marktstruktur analysieren#

Nun wird untersucht, wie der Markt aufgebaut ist.

Zu analysieren sind beispielsweise:

  • Marktanteile
  • Anbieterzahl
  • Konzentration
  • Kapazitäten
  • Eintrittsbarrieren
  • Kostenstrukturen

5. Preise analysieren#

Anschließend sollte die Preisentwicklung untersucht werden.

Relevant sind:

  • aktuelle Preise
  • historische Preise
  • Preisschwankungen
  • Preistreiber
  • Rabatte
  • Mengenstaffeln
  • Vertragsmodelle

6. Risiken bewerten#

Die Analyse sollte zusätzlich mögliche Risiken erfassen.

Dazu gehören:

  • Lieferantenausfall
  • Rohstoffknappheit
  • politische Risiken
  • Transportprobleme
  • Währungsrisiken
  • Energiepreise

7. Beschaffungsstrategie ableiten#

Am Ende steht die Frage:

Welche Beschaffungsstrategie ist unter diesen Bedingungen sinnvoll?


Welche Daten sind für eine Beschaffungsmarktanalyse wichtig?#

Eine strukturierte Analyse kann unterschiedliche Kennzahlen enthalten.

BereichRelevante Daten
MarktgrößeProduktionsmenge, Umsatz
AnbieterAnzahl, Marktanteile
KapazitätProduktionskapazität
PreiseEinkaufspreise, Preisindizes
NachfrageVerbrauch, Wachstumsraten
LieferzeitWiederbeschaffungszeit
RegionenProduktionsstandorte
KostenEnergie, Rohstoffe, Transport
Risikenpolitische und wirtschaftliche Risiken
WettbewerbNachfrage anderer Käufer
Wechselkurserelevante Währungen
Innovationneue Materialien, Technologien

Wichtig ist nicht die Menge der Daten, sondern deren Relevanz für die eigene Beschaffungsentscheidung.


Preise im Beschaffungsmarkt analysieren#

Die Preisentwicklung gehört zu den wichtigsten Bestandteilen einer Beschaffungsmarktanalyse.

Dabei sollte nicht nur der aktuelle Preis betrachtet werden.

Wichtig sind:

  • historische Entwicklung
  • saisonale Schwankungen
  • Volatilität
  • langfristige Trends
  • kurzfristige Preissprünge

Ein Unternehmen sollte zusätzlich verstehen, welche Faktoren den Preis treiben.


Welche Faktoren beeinflussen Einkaufspreise?#

Typische Preistreiber sind:

  • Rohstoffkosten
  • Energiepreise
  • Produktionskapazitäten
  • Löhne
  • Transportkosten
  • Nachfrage
  • Lagerbestände
  • Wechselkurse
  • Zölle
  • Regulierung

Ein Beispiel:

Energiepreise steigen\
↓\
Produktionskosten beim Lieferanten steigen\
↓\
Angebotspreise erhöhen sich\
↓\
eigene Beschaffungskosten steigen

Durch solche Wirkungsketten lassen sich Preisentwicklungen besser interpretieren.


Wie wichtig ist die Kapazitätsauslastung?#

Die Auslastung der Anbieter kann erheblichen Einfluss auf Preise und Lieferzeiten haben.

Bei niedriger Kapazitätsauslastung besitzen Einkäufer häufig mehr Verhandlungsmacht.

Bei hoher Auslastung kann es dagegen zu:

  • höheren Preisen
  • längeren Lieferzeiten
  • geringerer Verhandlungsmacht
  • Engpässen

kommen.

Die Kapazitätsauslastung kann daher ein wichtiger Frühindikator sein.


Lieferantenstruktur analysieren#

Eine Beschaffungsmarktanalyse sollte die Lieferantenlandschaft detailliert betrachten.

Wichtige Fragen sind:

  • Wie viele Anbieter existieren?
  • Wer sind die Marktführer?
  • Wie schnell wachsen einzelne Anbieter?
  • Wo produzieren sie?
  • Wie finanziell stabil sind sie?
  • Welche Kunden beliefern sie?
  • Welche Technologien nutzen sie?

Besonders wichtig ist die Frage, wie einfach ein Lieferant ersetzt werden kann.


Wie bewertet man Lieferantenmacht?#

Die Verhandlungsmacht der Lieferanten hängt von mehreren Faktoren ab.

Lieferanten besitzen tendenziell hohe Macht, wenn:

  • nur wenige Anbieter existieren,
  • Produkte schwer substituierbar sind,
  • Wechselkosten hoch sind,
  • Kapazitäten knapp sind,
  • der eigene Einkauf für den Lieferanten wenig bedeutend ist.

Hohe Lieferantenmacht kann zu:

  • höheren Preisen,
  • ungünstigeren Vertragsbedingungen,
  • geringerer Flexibilität

führen.


Lieferantenabhängigkeit analysieren#

Eine wichtige Kennzahl ist die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten.

Zu prüfen sind beispielsweise:

  • Einkaufsanteil je Lieferant
  • Single-Source-Komponenten
  • alternative Bezugsquellen
  • technische Wechselbarrieren

Ein Unternehmen sollte besonders kritisch prüfen, wenn ein hoher Einkaufsanteil auf nur einen Anbieter entfällt.


Abhängigkeit von Regionen analysieren#

Mehrere Lieferanten sind nicht zwangsläufig ausreichend diversifiziert.

Wenn sie alle:

  • im selben Land,
  • derselben Region,
  • mit demselben Hafen oder
  • denselben Rohstoffquellen

arbeiten, kann weiterhin ein erhebliches Konzentrationsrisiko bestehen.

Daher sollte nicht nur die Lieferantenanzahl, sondern auch die geografische Struktur betrachtet werden.


Beschaffungsregionen vergleichen#

Unternehmen können unterschiedliche Beschaffungsregionen miteinander vergleichen.

Mögliche Kriterien sind:

  • Kosten
  • Qualität
  • Transportzeit
  • politische Stabilität
  • Infrastruktur
  • Wechselkurse
  • Zölle
  • regulatorische Anforderungen
  • Fachkräfte

Dadurch können attraktive Beschaffungsstandorte identifiziert werden.


Global Sourcing#

Beim Global Sourcing werden Lieferanten weltweit gesucht.

Mögliche Vorteile sind:

  • niedrigere Kosten
  • größere Auswahl
  • Zugang zu Technologien
  • zusätzliche Kapazitäten

Gleichzeitig können Risiken entstehen:

  • längere Lieferwege
  • Wechselkurse
  • geopolitische Risiken
  • höhere Komplexität

Global Sourcing sollte deshalb nicht ausschließlich auf Preisvorteile reduziert werden.


Local Sourcing#

Local Sourcing bedeutet die Beschaffung aus der näheren Region.

Mögliche Vorteile sind:

  • kurze Lieferzeiten
  • geringere Transportkosten
  • bessere Kommunikation
  • höhere Flexibilität

Dafür können lokale Anbieter teilweise höhere Preise verlangen.


Nearshoring#

Beim Nearshoring werden Beschaffungsquellen geografisch näher an den eigenen Markt verlagert.

Ziel kann sein, Lieferzeiten und Risiken zu reduzieren.

Nearshoring kann insbesondere interessant sein, wenn:

  • Transportkosten steigen,
  • Lieferzeiten kritisch sind,
  • globale Lieferketten instabil werden.

Welche Rolle spielen Wechselkurse?#

Internationale Beschaffung kann durch Wechselkurse erheblich beeinflusst werden.

Wird beispielsweise in US-Dollar eingekauft, kann sich der tatsächliche Einkaufspreis verändern, obwohl der Lieferant seinen Preis nicht verändert.

Unternehmen sollten deshalb betrachten:

  • Einkaufswährung
  • Wechselkursentwicklung
  • mögliche Absicherung

Welche Rolle spielen Zölle und Handelsbarrieren?#

Zölle und Handelsrestriktionen können die Wirtschaftlichkeit von Beschaffungsregionen verändern.

Relevant sind:

  • Einfuhrzölle
  • Exportbeschränkungen
  • Sanktionen
  • Handelsabkommen
  • regulatorische Vorgaben

Eine Beschaffungsstrategie sollte diese Faktoren berücksichtigen.


Welche Rolle spielen Rohstoffe?#

Bei rohstoffintensiven Produkten sollte nicht nur der direkte Lieferant betrachtet werden.

Relevant sind auch vorgelagerte Rohstoffmärkte.

Zu analysieren sind beispielsweise:

  • Förderländer
  • Produktionskapazitäten
  • Nachfrage
  • Lagerbestände
  • geopolitische Risiken
  • Substitute

Dadurch können mögliche Preis- oder Lieferengpässe früher erkannt werden.


Welche Rolle spielt Technologie?#

Technologische Entwicklungen können Beschaffungsmärkte grundlegend verändern.

Neue Technologien können beispielsweise:

  • Materialien ersetzen,
  • Produktionskosten reduzieren,
  • neue Anbieter ermöglichen,
  • bestehende Lieferanten verdrängen.

Eine gute Beschaffungsmarktanalyse sollte deshalb auch technische Substitutionsmöglichkeiten beobachten.


Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?#

Nachhaltigkeitsanforderungen beeinflussen zunehmend Beschaffungsentscheidungen.

Relevant können sein:

  • Herkunft von Rohstoffen
  • Emissionen
  • Recyclingfähigkeit
  • Umweltstandards
  • soziale Standards
  • Lieferkettentransparenz

Diese Faktoren können sowohl Kosten als auch Lieferantenauswahl beeinflussen.


Welche Risiken sollte man analysieren?#

Typische Beschaffungsrisiken sind:

Preisrisiken#

Rohstoff- oder Energiepreise können stark schwanken.

Mengenrisiken#

Ein Lieferant kann nicht ausreichend Kapazität bereitstellen.

Qualitätsrisiken#

Materialien oder Leistungen entsprechen nicht den Anforderungen.

Lieferzeitrisiken#

Transport- oder Produktionsprobleme verzögern Lieferungen.

Lieferantenrisiken#

Ein Anbieter kann wirtschaftlich oder operativ ausfallen.

Länderrisiken#

Politische oder regulatorische Ereignisse können Beschaffung beeinträchtigen.

Währungsrisiken#

Wechselkurse verändern tatsächliche Einkaufskosten.


Wie lassen sich Beschaffungsmärkte segmentieren?#

Für strategische Zwecke können Beschaffungsobjekte nach zwei Kriterien eingeteilt werden:

wirtschaftliche Bedeutung × Versorgungsrisiko

Daraus ergeben sich vier Kategorien.

Standardprodukte#

Niedrige Bedeutung, niedriges Risiko.

Strategie:

  • Prozesse effizient gestalten
  • Automatisierung
  • Transaktionskosten reduzieren

Hebelprodukte#

Hohe wirtschaftliche Bedeutung, niedriges Versorgungsrisiko.

Strategie:

  • Volumen bündeln
  • Wettbewerb nutzen
  • Preise verhandeln

Engpassprodukte#

Niedrige wirtschaftliche Bedeutung, hohes Versorgungsrisiko.

Strategie:

  • Versorgung absichern
  • Sicherheitsbestände
  • Alternativen entwickeln

Strategische Produkte#

Hohe Bedeutung, hohes Risiko.

Strategie:

  • langfristige Partnerschaften
  • intensive Lieferantenentwicklung
  • Risikodiversifikation

Diese Logik ist eng mit dem bekannten Kraljic-Portfolio verbunden.


Welche Frühindikatoren sind wichtig?#

Besonders wertvoll sind Daten, die zukünftige Veränderungen anzeigen.

Beispiele:

  • steigende Rohstoffpreise
  • zunehmende Lieferzeiten
  • sinkende Lagerbestände
  • hohe Kapazitätsauslastung
  • neue Handelsrestriktionen
  • steigende Energiepreise
  • Produktionsausfälle
  • Unternehmensinsolvenzen

Solche Signale können auf zukünftige Engpässe oder Preissteigerungen hinweisen.


Welchen Zeitraum sollte eine Beschaffungsmarktanalyse berücksichtigen?#

Eine gute Analyse kombiniert mehrere Zeithorizonte.

Kurzfristig: 0 bis 12 Monate#

Relevant für:

  • operative Einkaufspreise
  • Lieferzeiten
  • Bestände
  • Vertragsverhandlungen

Mittelfristig: 1 bis 3 Jahre#

Relevant für:

  • Lieferantenstrategie
  • Kapazitätsplanung
  • Verträge
  • alternative Bezugsquellen

Langfristig: 3 bis 10 Jahre#

Relevant für:

  • Rohstoffstrategien
  • Nearshoring
  • Lieferantenentwicklung
  • technologische Substitute
  • geopolitische Risiken

Bei kritischen Rohstoffen kann ein noch längerer Zeitraum sinnvoll sein.


Welche Standorte sollte man analysieren?#

Eine Beschaffungsmarktanalyse sollte verschiedene geografische Ebenen berücksichtigen.

Bestehende Lieferländer#

Hier sollte untersucht werden:

  • Kosten
  • Kapazität
  • politische Risiken
  • Infrastruktur

Alternative Beschaffungsregionen#

Zusätzliche Länder oder Regionen können als Backup oder neue Bezugsquelle dienen.


Rohstoffursprung#

Bei kritischen Materialien sollte analysiert werden, wo die zugrunde liegenden Rohstoffe tatsächlich herkommen.


Produktionsstandorte der Lieferanten#

Auch unterschiedliche Werke desselben Lieferanten können verschiedene Risiken besitzen.


Welche Ableitungen können Unternehmer treffen?#

Aus einer Beschaffungsmarktanalyse lassen sich wichtige strategische Erkenntnisse gewinnen.

Kostenentwicklung besser einschätzen#

Unternehmen können frühzeitig erkennen, welche Einkaufspreise wahrscheinlich unter Druck geraten.


Lieferantenmacht bewerten#

Es wird sichtbar, in welchen Märkten das Unternehmen gut verhandeln kann und wo Lieferanten stärkere Positionen besitzen.


Versorgungsrisiken identifizieren#

Kritische Lieferanten, Rohstoffe oder Regionen können erkannt werden.


Alternative Beschaffungsquellen entdecken#

Neue Lieferanten oder Regionen können die Abhängigkeit reduzieren.


Investitionsentscheidungen vorbereiten#

Dauerhaft hohe Beschaffungskosten können eigene Produktion oder technologische Alternativen wirtschaftlicher machen.


Welche Maßnahmen können Unternehmen ableiten?#

Lieferantenbasis erweitern#

Neue Lieferanten reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern.


Volumen bündeln#

Bei gut verfügbaren Materialien kann eine stärkere Bündelung die Verhandlungsposition verbessern.


Verträge verlängern#

Langfristige Vereinbarungen können:

  • Preise
  • Kapazitäten
  • Liefermengen

absichern.


Preise absichern#

Bei stark schwankenden Rohstoffen können geeignete Preisabsicherungsstrategien geprüft werden.


Sicherheitsbestände aufbauen#

Bei kritischen Komponenten kann ein zusätzlicher Bestand Lieferausfälle abfedern.


Lieferanten entwickeln#

Strategische Lieferanten können gemeinsam hinsichtlich:

  • Qualität
  • Kapazität
  • Produktivität
  • Innovation

weiterentwickelt werden.


Dual oder Multi Sourcing einführen#

Mehrere Lieferanten können Versorgungssicherheit erhöhen.


Beschaffungsregion wechseln#

Bei strukturellen Nachteilen können neue Regionen geprüft werden.


Materialien substituieren#

Technologische Alternativen können die Abhängigkeit von knappen Materialien reduzieren.


Eigene Produktion prüfen#

Bei strategisch wichtigen Komponenten kann vertikale Integration sinnvoll sein.


Kann man die Beschaffungsmarktanalyse automatisieren?#

Ja. Viele Bestandteile lassen sich automatisiert überwachen.

Beispiele:

  • Rohstoffpreise
  • Wechselkurse
  • Lieferantenmeldungen
  • Nachrichten
  • Lieferzeiten
  • Bestände
  • Unternehmensinsolvenzen
  • regulatorische Änderungen

Alerts können ausgelöst werden, wenn definierte Schwellenwerte überschritten werden.


Welche Rolle spielt KI?#

KI kann große Mengen von Beschaffungsinformationen analysieren.

Mögliche Anwendungen sind:

  • Lieferantenrecherche
  • Preisprognosen
  • Risikoerkennung
  • Nachrichtenanalyse
  • Vertragsanalyse
  • Lieferantenklassifizierung

Der strategische Nutzen entsteht jedoch erst durch die Kombination aus Datenanalyse und unternehmerischer Interpretation.


Wie häufig sollte eine Beschaffungsmarktanalyse aktualisiert werden?#

Die Frequenz hängt von Kritikalität und Marktdynamik ab.

BereichMögliche Frequenz
Rohstoffpreisetäglich bis wöchentlich
Wechselkursetäglich
Lieferzeitenlaufend
Lieferantenperformancemonatlich
Marktpreisemonatlich
Kapazitätenquartalsweise
Länderrisikenquartalsweise
strategische Gesamtanalysejährlich

Besonders volatile oder kritische Märkte sollten häufiger überwacht werden.


Beschaffungsmarktanalyse und Lieferkettenanalyse kombinieren#

Beide Analysen betrachten unterschiedliche Ebenen.

Die Beschaffungsmarktanalyse untersucht vor allem:

  • Marktstruktur
  • Lieferanten
  • Preise
  • Kapazitäten
  • Verhandlungsmacht

Die Lieferkettenanalyse betrachtet zusätzlich:

  • Transportwege
  • Lager
  • Unterlieferanten
  • operative Abhängigkeiten

Gemeinsam entsteht ein deutlich vollständigeres Bild.


Beschaffungsmarktanalyse und Wettbewerbsanalyse#

Auch Wettbewerber beeinflussen den Beschaffungsmarkt.

Wenn mehrere Unternehmen dieselben Materialien benötigen, kann der Wettbewerb um:

  • Rohstoffe
  • Kapazitäten
  • Lieferanten

zunehmen.

Eine Beschaffungsmarktanalyse sollte deshalb auch berücksichtigen:

Wer konkurriert mit uns um dieselben Ressourcen?


Fazit: Beschaffungsmarktanalyse als Grundlage strategischer Einkaufsentscheidungen#

Eine Beschaffungsmarktanalyse untersucht systematisch Märkte, aus denen Unternehmen Materialien, Rohstoffe, Komponenten oder Dienstleistungen beziehen.

Dabei sollten nicht nur aktuelle Einkaufspreise betrachtet werden.

Entscheidend sind:

  • Marktstruktur
  • Lieferanten
  • Kapazitäten
  • Preise
  • Nachfrage
  • Verhandlungsmacht
  • Regionen
  • Risiken
  • Alternativen

Die zentrale Logik lautet:

Beschaffungsmarkt → Marktstruktur → Kosten und Risiko → Unternehmensauswirkung → Beschaffungsstrategie

Aus der Analyse können Unternehmen Maßnahmen ableiten wie:

  • Lieferantenwechsel
  • Dual Sourcing
  • Volumenbündelung
  • langfristige Verträge
  • Sicherheitsbestände
  • Nearshoring
  • Materialsubstitution
  • vertikale Integration

Eine gute Beschaffungsmarktanalyse beantwortet deshalb nicht nur:

„Welcher Lieferant ist aktuell am günstigsten?“

Sondern:

„Welche Beschaffungsstruktur bietet uns langfristig die beste Kombination aus Preis, Qualität, Flexibilität und Versorgungssicherheit?“


Häufige Fragen zur Beschaffungsmarktanalyse#

Was versteht man unter einer Beschaffungsmarktanalyse?#

Eine Beschaffungsmarktanalyse untersucht Märkte, aus denen ein Unternehmen Materialien, Rohstoffe, Dienstleistungen oder andere Leistungen bezieht. Analysiert werden unter anderem Lieferanten, Preise, Kapazitäten und Risiken.

Warum ist eine Beschaffungsmarktanalyse wichtig?#

Sie hilft Unternehmen, Einkaufskosten besser zu verstehen, Abhängigkeiten zu reduzieren, Lieferanten zu vergleichen und Versorgungsrisiken frühzeitig zu erkennen.

Welche Daten werden benötigt?#

Wichtige Daten sind Marktgröße, Anbieterzahl, Produktionskapazität, Preise, Nachfrage, Lieferzeiten, Lieferantenstandorte, Wechselkurse, Rohstoffkosten und Länderrisiken.

Welche Beschaffungsmärkte sollte man besonders analysieren?#

Besonders relevant sind Märkte für kostenintensive, kritische oder schwer ersetzbare Materialien sowie Märkte mit wenigen Lieferanten oder hoher Preisvolatilität.

Welche Methoden eignen sich?#

Geeignet sind unter anderem Lieferantenanalysen, Preisanalysen, Marktstrukturuntersuchungen, Risikoanalysen, Szenarioanalysen und das Kraljic-Portfolio.

Welchen Zeitraum sollte man betrachten?#

Kurzfristig sind Preise und Lieferzeiten relevant. Strategische Beschaffungsentscheidungen sollten häufig einen Horizont von drei bis zehn Jahren berücksichtigen.

Welche Regionen sollte man analysieren?#

Neben bestehenden Lieferländern sollten alternative Beschaffungsregionen, Rohstoffursprünge und Produktionsstandorte wichtiger Lieferanten betrachtet werden.

Welche Maßnahmen lassen sich daraus ableiten?#

Mögliche Maßnahmen sind Lieferantendiversifikation, Dual Sourcing, langfristige Verträge, Sicherheitsbestände, Nearshoring, Materialsubstitution oder der Aufbau eigener Produktion.

Kann eine Beschaffungsmarktanalyse automatisiert werden?#

Ja. Preise, Wechselkurse, Lieferzeiten, Nachrichten und bestimmte Lieferantenrisiken können automatisiert überwacht und bei relevanten Veränderungen gemeldet werden.

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