Marktanalyse
Marktanalyse erstellen: Methoden, Beispiele & Anleitung
Marktanalyse - Märkte analysieren, Chancen erkennen und bessere Entscheidungen treffen#
Was ist eine Marktanalyse?#
Eine Marktanalyse ist die systematische Untersuchung eines bestimmten Marktes. Unternehmen analysieren dabei unter anderem die Marktgröße, das Marktwachstum, relevante Kundengruppen, Wettbewerber, Markttrends sowie Chancen und Risiken.
Das Ziel einer Marktanalyse besteht darin, aus Marktdaten konkrete Erkenntnisse für unternehmerische Entscheidungen abzuleiten.
Eine professionelle Marktanalyse kann beispielsweise folgende Fragen beantworten:
- Wie groß ist der Markt?
- Wie schnell wächst der Markt?
- Welche Marktsegmente sind besonders attraktiv?
- Wer sind die wichtigsten Wettbewerber?
- Welche Bedürfnisse haben die Kunden?
- Welche Trends verändern den Markt?
- Welche Eintrittsbarrieren bestehen?
- Wie attraktiv ist der Markt für das eigene Unternehmen?
- Welche Chancen und Risiken gibt es?
- Welche strategischen Maßnahmen lassen sich daraus ableiten?
Damit ist die Marktanalyse ein wichtiges Instrument für Unternehmensstrategie, Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung und Business Development.
Warum sollte ich einen Markt analysieren?#
Unternehmen agieren in einem dynamischen Umfeld. Kundenbedürfnisse verändern sich, neue Wettbewerber treten in den Markt ein, Technologien entwickeln sich weiter und gesetzliche Rahmenbedingungen können ganze Geschäftsmodelle beeinflussen.
Wer Märkte regelmäßig analysiert, kann solche Veränderungen früher erkennen und entsprechend reagieren.
Marktchancen identifizieren#
Eine Marktanalyse kann zeigen, wo neue Wachstumschancen entstehen. Das können beispielsweise neue Kundengruppen, Regionen, Technologien, Produkte oder Geschäftsmodelle sein. Besonders interessant sind Marktsegmente, die überdurchschnittlich wachsen oder in denen bestehende Kundenbedürfnisse bislang nicht ausreichend erfüllt werden.
Marktrisiken erkennen#
Nicht jeder große oder schnell wachsende Markt ist automatisch attraktiv.
Mögliche Risiken sind beispielsweise:
- intensiver Wettbewerb
- hoher Preisdruck
- niedrige Margen
- hohe Markteintrittsbarrieren
- regulatorische Risiken
- technologische Veränderungen
- sinkende Nachfrage
- hohe Kundenakquisitionskosten
Eine Marktanalyse hilft dabei, diese Risiken bereits vor größeren Investitionen zu erkennen.
Investitionsentscheidungen verbessern#
Kapital, Personal und Managementkapazitäten sind begrenzt. Unternehmen müssen deshalb entscheiden, in welche Produkte, Kundengruppen, Regionen und Märkte sie investieren. Durch eine strukturierte Marktanalyse lassen sich verschiedene Optionen anhand einheitlicher Kriterien vergleichen.
Welche Märkte sollte ich analysieren?#
Grundsätzlich sollten Unternehmen nicht versuchen, jeden theoretisch interessanten Markt zu untersuchen. Entscheidend ist die strategische Relevanz. Besonders wichtig sind vier Kategorien.
1. Bestehende Märkte#
Zunächst sollte das Unternehmen seinen aktuellen Kernmarkt verstehen.
Wichtige Fragen sind:
Wie groß ist unser Markt?
Wie entwickelt sich die Nachfrage?
Welche Marktsegmente wachsen?
Welche Wettbewerber gewinnen Marktanteile?
Wie verändern sich Preise und Margen?
Welche neuen Kundenbedürfnisse entstehen?
Eine regelmäßige Analyse des bestehenden Marktes kann frühzeitig zeigen, ob sich die eigene Wettbewerbsposition verbessert oder verschlechtert.
2. Angrenzende Märkte#
Angrenzende Märkte – häufig als Adjacent Markets bezeichnet – können besonders attraktive Expansionsmöglichkeiten bieten.
Dabei handelt es sich beispielsweise um Märkte mit ähnlichen:
- Kundengruppen
- Produkten
- Technologien
- Anwendungsfällen
- Vertriebskanälen
Der Vorteil besteht darin, dass vorhandene Kompetenzen, Technologien oder Kundenbeziehungen möglicherweise weiterverwendet werden können.
3. Neue geografische Märkte#
Auch Länder und Regionen sollten separat analysiert werden.
Ein Produkt, das in Deutschland erfolgreich ist, muss nicht automatisch in Frankreich, den USA oder Asien unter denselben Bedingungen funktionieren. Vor einer internationalen Expansion sollten deshalb unter anderem Marktgröße, Kaufkraft, Wettbewerb, Kundenpräferenzen, regulatorische Anforderungen und Vertriebssysteme untersucht werden.
4. Zukunfts- und Wachstumsmärkte#
Unternehmen sollten nicht ausschließlich analysieren, wo heute Umsätze entstehen.
Strategisch relevant ist auch die Frage:
Wo entstehen die Märkte von morgen?
Technologische Innovationen, gesellschaftliche Veränderungen oder neue gesetzliche Rahmenbedingungen können neue Märkte schaffen und bestehende Branchen grundlegend verändern.
Wie führe ich eine Marktanalyse durch?#
Eine professionelle Marktanalyse sollte nach einem strukturierten Prozess erfolgen.
Die folgenden Schritte bieten dafür einen praxisorientierten Rahmen.
Schritt 1: Ziel der Marktanalyse definieren#
Bevor Daten gesammelt werden, sollte klar sein, welche Entscheidung durch die Analyse unterstützt werden soll.
Mögliche Fragestellungen sind:
Sollten wir in diesen Markt eintreten?
Welche Region bietet das größte Wachstumspotenzial?
Welche Kundengruppe sollten wir priorisieren?
Wie attraktiv ist Markt A im Vergleich zu Markt B?
Welche Wettbewerber stellen die größte Bedrohung dar?
Eine klare Fragestellung verhindert, dass große Mengen an Daten gesammelt werden, ohne daraus relevante Erkenntnisse gewinnen zu können.
Schritt 2: Den relevanten Markt definieren#
Anschließend muss festgelegt werden, welcher Markt tatsächlich untersucht wird. Der Begriff „Softwaremarkt“ wäre beispielsweise viel zu allgemein.
Eine präzisere Definition wäre:
Projektmanagementsoftware für mittelständische Unternehmen in Deutschland.
Eine Marktdefinition kann unter anderem anhand folgender Dimensionen erfolgen:
Produkt: Was wird angeboten?
Kundengruppe: Wer kauft das Produkt?
Anwendungsfall: Welches Problem wird gelöst?
Region: In welchem geografischen Gebiet findet der Wettbewerb statt?
Preissegment: Welcher Teil des Marktes ist relevant?
Je genauer der Markt definiert wird, desto aussagekräftiger wird die Analyse.
Schritt 3: Marktgröße und Marktpotenzial berechnen#
Die Marktgröße gehört zu den wichtigsten Kennzahlen einer Marktanalyse. Dabei sollten verschiedene Begriffe unterschieden werden.
Marktvolumen#
Das Marktvolumen beschreibt den tatsächlich realisierten Umsatz oder Absatz innerhalb eines bestimmten Marktes und Zeitraums.
Beispiel:
Ein Markt erzielt einen jährlichen Umsatz von 500 Millionen Euro.
Dann beträgt das aktuelle Marktvolumen 500 Millionen Euro.
Marktpotenzial#
Das Marktpotenzial beschreibt dagegen die theoretisch maximal mögliche Nachfrage eines Marktes. Das Marktpotenzial kann deshalb deutlich größer sein als das aktuelle Marktvolumen.
TAM, SAM und SOM berechnen#
Vor allem bei Start-ups, neuen Geschäftsmodellen und Markteintrittsstrategien werden häufig die Kennzahlen TAM, SAM und SOM verwendet.
TAM – Total Addressable Market#
Der TAM beschreibt den gesamten theoretisch adressierbaren Markt.
SAM – Serviceable Available Market#
Der SAM bezeichnet den Teil des Gesamtmarktes, der mit dem eigenen Produkt und Geschäftsmodell grundsätzlich bedient werden kann.
SOM – Serviceable Obtainable Market#
Der SOM beschreibt den Marktanteil, der unter realistischen Bedingungen tatsächlich erreichbar erscheint.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil ein Milliardenmarkt nicht automatisch bedeutet, dass ein Unternehmen Milliardenumsätze erzielen kann.
Schritt 4: Marktwachstum analysieren#
Neben der Marktgröße ist die Entwicklung des Marktes entscheidend. Ein Markt kann groß sein und gleichzeitig schrumpfen. Ein anderer Markt kann noch relativ klein sein, dafür aber jedes Jahr zweistellig wachsen. Zur Bewertung des Wachstums wird häufig die CAGR – Compound Annual Growth Rate verwendet. Sie beschreibt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate über einen bestimmten Zeitraum.
Wichtiger als die reine Wachstumsrate ist jedoch die Frage:
Warum wächst der Markt?
Mögliche Wachstumstreiber sind:
- technologische Innovation
- Digitalisierung
- demografische Entwicklung
- steigende Kaufkraft
- neue gesetzliche Anforderungen
- verändertes Kundenverhalten
- neue Geschäftsmodelle
- sinkende Produktionskosten
Nur wenn die zugrunde liegenden Wachstumstreiber verstanden werden, lässt sich beurteilen, wie nachhaltig das Marktwachstum ist.
Schritt 5: Marktsegmentierung durchführen#
Gesamtmärkte sollten in kleinere Marktsegmente unterteilt werden.
Eine Marktsegmentierung kann beispielsweise erfolgen nach:
- Kundengruppe
- Unternehmensgröße
- Branche
- Region
- Produktkategorie
- Anwendung
- Preissegment
- Vertriebskanal
Das ist wichtig, weil attraktive Wachstumschancen häufig innerhalb einzelner Marktsegmente entstehen. Ein Gesamtmarkt könnte beispielsweise nur mit drei Prozent pro Jahr wachsen, während ein bestimmtes Teilsegment ein jährliches Wachstum von 15 Prozent erreicht.
Eine reine Betrachtung des Gesamtmarktes würde diese Entwicklung verschleiern.
Schritt 6: Zielgruppen und Kunden analysieren#
Ohne Kunden gibt es keinen Markt. Deshalb sollte eine Marktanalyse immer eine strukturierte Kundenanalyse enthalten. Zu untersuchen sind unter anderem folgende Fragen:
Wer sind die Kunden?
Welche Probleme möchten sie lösen?
Welche Bedürfnisse besitzen sie?
Welche Kriterien bestimmen die Kaufentscheidung?
Wie hoch ist ihre Zahlungsbereitschaft?
Welche Produkte verwenden sie heute?
Warum wechseln Kunden den Anbieter?
Welche Faktoren sorgen für Kundenbindung?
Bei B2B-Märkten sollten zusätzlich Unternehmensgröße, Branche, Einkaufsprozesse, Budgets und Entscheidungsträger betrachtet werden.
Bei B2C-Märkten können dagegen beispielsweise Alter, Einkommen, Lebensstil und Konsumverhalten relevant sein.
Schritt 7: Wettbewerbsanalyse durchführen#
Die Wettbewerbsanalyse ist ein zentraler Bestandteil jeder Marktanalyse. Zunächst sollten direkte und indirekte Wettbewerber identifiziert werden. Anschließend können diese beispielsweise anhand folgender Kriterien verglichen werden:
- Umsatz
- Marktanteil
- Wachstum
- Produkte
- Preise
- Zielgruppen
- Positionierung
- Vertriebskanäle
- geografische Präsenz
- technologische Kompetenzen
- Stärken
- Schwächen
Besonders wichtig ist die Betrachtung von Substituten.
Ein Unternehmen konkurriert nicht ausschließlich mit Unternehmen, die ein ähnliches Produkt verkaufen. Es konkurriert letztlich mit allen Lösungen, mit denen Kunden dasselbe Problem lösen können.
Schritt 8: Markteintrittsbarrieren identifizieren#
Ein Markt kann groß, profitabel und wachstumsstark sein und trotzdem für einen neuen Anbieter unattraktiv bleiben.
Der Grund sind mögliche Markteintrittsbarrieren.
Dazu gehören:
- hoher Kapitalbedarf
- starke Marken etablierter Anbieter
- Patente
- regulatorische Anforderungen
- Zertifizierungen
- Netzwerkeffekte
- Skaleneffekte
- technologische Komplexität
- exklusive Vertriebskanäle
- langfristige Kundenverträge
- hohe Wechselkosten
Je höher die Eintrittsbarrieren sind, desto mehr Ressourcen werden normalerweise für einen erfolgreichen Markteintritt benötigt.
Schritt 9: PESTEL-Analyse durchführen#
Mit einer PESTEL-Analyse kann das externe Marktumfeld systematisch untersucht werden.
PESTEL steht für:
P – Political: politische Faktoren
E – Economic: wirtschaftliche Faktoren
S – Social: gesellschaftliche Faktoren
T – Technological: technologische Faktoren
E – Environmental: ökologische Faktoren
L – Legal: rechtliche Faktoren
Die PESTEL-Analyse ist besonders hilfreich, wenn langfristige Entwicklungen und externe Risiken eines Marktes beurteilt werden sollen.
Schritt 10: Porter's Five Forces nutzen#
Ein weiteres Framework zur Marktanalyse ist Porter's Five Forces.
Dabei werden fünf Wettbewerbskräfte untersucht:
1. Rivalität zwischen bestehenden Wettbewerbern
2. Gefahr durch neue Marktteilnehmer
3. Verhandlungsmacht der Kunden
4. Verhandlungsmacht der Lieferanten
5. Gefahr durch Ersatzprodukte
Das Modell hilft dabei, die Wettbewerbsintensität und strukturelle Attraktivität eines Marktes einzuschätzen.
Ein stark wachsender Markt muss beispielsweise nicht besonders profitabel sein, wenn gleichzeitig hoher Preisdruck und eine starke Verhandlungsmacht der Kunden bestehen.
Welche Datenquellen eignen sich für eine Marktanalyse?#
Die Qualität einer Marktanalyse hängt wesentlich von der Qualität ihrer Daten ab.
Grundsätzlich kann zwischen Primärforschung und Sekundärforschung unterschieden werden.
Primärforschung#
Bei der Primärforschung werden neue Daten speziell für die eigene Fragestellung erhoben.
Mögliche Methoden sind:
- Kundeninterviews
- Experteninterviews
- Umfragen
- Fokusgruppen
- Produkttests
- Beobachtungen
Primärforschung ist besonders wertvoll, wenn öffentlich verfügbare Daten bestimmte strategische Fragen nicht beantworten können.
Sekundärforschung#
Bei der Sekundärforschung werden bereits vorhandene Informationen ausgewertet.
Datenquellen können beispielsweise sein:
- statistische Ämter
- Branchenverbände
- Geschäftsberichte
- Unternehmensberichte
- wissenschaftliche Publikationen
- Marktforschungsstudien
- Fachmedien
- öffentliche Datenbanken
- Investorenpräsentationen
Für eine belastbare Marktanalyse sollten wichtige Aussagen nach Möglichkeit durch mehrere unabhängige Quellen überprüft werden.
Marktgröße berechnen: Top-down oder Bottom-up?#
Zur Berechnung der Marktgröße können unterschiedliche Methoden eingesetzt werden.
Top-down-Methode#
Bei einer Top-down-Analyse beginnt die Berechnung mit einem großen Gesamtmarkt.
Dieser wird anschließend schrittweise eingegrenzt.
Beispiel:
Gesamtmarkt Europa\
→ Anteil Deutschland\
→ relevante Produktkategorie\
→ relevante Kundengruppe\
→ adressierbarer Markt
Die Methode ist relativ schnell, hängt aber stark von der Qualität der zugrunde liegenden Marktdaten ab.
Bottom-up-Methode#
Die Bottom-up-Methode beginnt dagegen bei den einzelnen potenziellen Kunden.
Eine vereinfachte Formel lautet:
Anzahl potenzieller Kunden × durchschnittlicher Jahresumsatz pro Kunde = Marktgröße
Beispiel:
50.000 potenzielle Kunden × 10.000 Euro Jahresumsatz = 500 Millionen Euro Marktvolumen
Für wichtige strategische Entscheidungen sollten Top-down- und Bottom-up-Berechnungen möglichst miteinander verglichen werden.
Was kann ich aus einer Marktanalyse ableiten?#
Eine Marktanalyse ist erst dann wertvoll, wenn aus den gesammelten Informationen konkrete Entscheidungen entstehen.
Marktattraktivität bewerten#
Märkte können beispielsweise anhand folgender Kriterien bewertet werden:
| Kriterium | Fragestellung |
|---|---|
| Marktgröße | Wie groß ist der Markt heute? |
| Marktwachstum | Wie schnell wächst der Markt? |
| Profitabilität | Welche Margen sind erreichbar? |
| Wettbewerb | Wie intensiv ist der Wettbewerb? |
| Eintrittsbarrieren | Wie schwierig ist der Markteintritt? |
| Kundenattraktivität | Wie attraktiv sind die Zielgruppen? |
| Strategischer Fit | Passt der Markt zu unseren Fähigkeiten? |
| Risiko | Welche externen Risiken bestehen? |
Durch eine gewichtete Bewertung kann daraus beispielsweise ein Market Attractiveness Score entwickelt werden.
Märkte priorisieren#
Wenn mehrere Märkte analysiert wurden, können diese miteinander verglichen werden.
Beispielsweise:
Markt A: sehr groß, aber geringes Wachstum und intensiver Wettbewerb.
Markt B: mittelgroß, hohes Wachstum und moderater Wettbewerb.
Markt C: klein, aber hohe Margen und geringe Wettbewerbsintensität.
Der größte Markt ist damit nicht zwangsläufig der attraktivste Markt.
Zielgruppen auswählen#
Eine Marktanalyse kann zeigen, welche Kundensegmente besonders attraktiv sind.
Dabei können beispielsweise folgende Kriterien bewertet werden:
- Segmentgröße
- Wachstum
- Zahlungsbereitschaft
- Profitabilität
- Wettbewerbsintensität
- Kundenakquisitionskosten
- Kundenbindung
Auf dieser Basis können Unternehmen ihre Zielgruppen wesentlich gezielter priorisieren.
Produktstrategie entwickeln#
Markt- und Kundenanalysen können außerdem zeigen, welche Anforderungen ein Produkt erfüllen sollte.
Interessant sind beispielsweise folgende Fragen:
Welche Probleme sind bisher ungelöst?
Welche Funktionen fehlen bestehenden Produkten?
Welche Eigenschaften sind Kunden besonders wichtig?
Für welche Leistungen besteht eine hohe Zahlungsbereitschaft?
Dadurch liefert die Marktanalyse wertvolle Informationen für Produktentwicklung und Innovation.
Preisstrategie ableiten#
Auch für die Preisgestaltung liefert eine Marktanalyse wichtige Informationen.
Untersucht werden können:
- Wettbewerbspreise
- Preispositionierungen
- Zahlungsbereitschaft
- Preissensitivität
- Rabatte
- Vertragsmodelle
- Abonnementmodelle
Auf dieser Grundlage lässt sich eine fundierte Preisstrategie entwickeln.
Go-to-Market-Strategie entwickeln#
Schließlich können die Erkenntnisse in eine konkrete Go-to-Market-Strategie überführt werden.
Diese beantwortet unter anderem:
Welche Zielgruppe sprechen wir an?
Welches Problem lösen wir?
Wie positionieren wir unser Angebot?
Welchen Preis verlangen wir?
Über welche Kanäle verkaufen wir?
Wie differenzieren wir uns vom Wettbewerb?
Damit bildet die Marktanalyse eine wichtige Grundlage für die operative Umsetzung der Unternehmensstrategie.
Von der Marktanalyse zur strategischen Entscheidung#
Die entscheidende Aufgabe besteht darin, Daten in Handlungen zu übersetzen.
Eine einfache Logik dafür lautet:
Daten → Erkenntnis → Implikation → Entscheidung → Maßnahme
Beispiel#
Daten:\
Das Premiumsegment wächst jährlich um 14 Prozent. Der Gesamtmarkt wächst lediglich um vier Prozent.
Erkenntnis:\
Das Premiumsegment entwickelt sich deutlich schneller als der Gesamtmarkt.
Implikation:\
Eine Positionierung im Premiumsegment könnte attraktiver sein als eine undifferenzierte Bearbeitung des Gesamtmarktes.
Entscheidung:\
Das Unternehmen priorisiert das Premiumsegment.
Maßnahme:\
Ein Premiumprodukt wird entwickelt und zunächst bei einer ausgewählten Kundengruppe getestet.
Damit wird aus einer Marktanalyse eine konkrete strategische Handlung.
Wie oft sollte eine Marktanalyse durchgeführt werden?#
Eine Marktanalyse sollte nicht als einmaliges Projekt betrachtet werden.
Märkte verändern sich kontinuierlich.
Deshalb sollten zentrale Marktkennzahlen regelmäßig überwacht werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Marktgröße
- Marktwachstum
- Marktanteile
- Preise
- Wettbewerber
- neue Produkte
- technologische Entwicklungen
- regulatorische Veränderungen
- Investitionen
- Unternehmensübernahmen
- Kundenbedürfnisse
Wie häufig die Analyse aktualisiert werden sollte, hängt von der Dynamik des Marktes ab.
In sehr dynamischen Märkten kann ein monatliches oder quartalsweises Monitoring sinnvoll sein. In stabileren Branchen kann eine jährliche Aktualisierung ausreichen.
Häufige Fehler bei der Marktanalyse#
1. Der Markt wird zu groß definiert#
Ein riesiger Gesamtmarkt sieht in Präsentationen beeindruckend aus, besitzt aber nur begrenzte Aussagekraft, wenn lediglich ein kleiner Teil davon tatsächlich adressierbar ist.
2. Marktgröße wird mit Marktattraktivität verwechselt#
Ein großer Markt kann gleichzeitig starken Wettbewerb, niedrige Margen und hohe Eintrittsbarrieren besitzen.
3. Nur eine Datenquelle wird verwendet#
Marktgrößen verschiedener Quellen können erheblich voneinander abweichen.
Wichtige Kennzahlen sollten deshalb nach Möglichkeit mit mehreren Quellen oder unterschiedlichen Berechnungsmethoden validiert werden.
4. Prognosen werden als Fakten behandelt#
Marktprognosen basieren immer auf Annahmen. Je weiter eine Prognose in die Zukunft reicht, desto größer ist normalerweise die Unsicherheit.
5. Nur direkte Wettbewerber werden betrachtet#
Substitute und neue Geschäftsmodelle können langfristig eine größere Bedrohung darstellen als bekannte Wettbewerber.
6. Es werden Daten gesammelt, aber keine Entscheidungen getroffen#
Eine umfangreiche Marktstudie ist wertlos, wenn am Ende nicht klar ist, welche Konsequenzen daraus entstehen.
Checkliste: Was gehört in eine Marktanalyse?#
Eine umfassende Marktanalyse sollte mindestens folgende Bereiche berücksichtigen:
1. Definition des relevanten Marktes
2. Marktgröße und Marktvolumen
3. Marktpotenzial
4. TAM, SAM und SOM
5. historische Marktentwicklung
6. prognostiziertes Marktwachstum
7. Marktsegmentierung
8. Kunden und Zielgruppen
9. Wettbewerber und Marktanteile
10. Preise und Margen
11. Vertriebskanäle
12. Markteintrittsbarrieren
13. Markttrends
14. technologische Entwicklungen
15. regulatorisches Umfeld
16. Chancen und Risiken
17. Marktattraktivität
18. strategische Handlungsempfehlungen
Die einzelnen Bereiche sollten jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Erst ihre Verbindung ergibt ein aussagekräftiges Gesamtbild des Marktes.
Fazit: Eine gute Marktanalyse führt zu besseren Entscheidungen#
Eine Marktanalyse ist weit mehr als die Suche nach Marktgrößen und Wachstumsraten.
Sie untersucht systematisch, wie ein Markt funktioniert, wie er sich entwickelt und welche Chancen und Risiken daraus für ein Unternehmen entstehen.
Dafür werden Marktgröße, Wachstum, Kunden, Wettbewerber, Marktsegmente, Eintrittsbarrieren, Trends und externe Einflussfaktoren gemeinsam betrachtet.
Entscheidend ist anschließend die Übersetzung der Analyse in konkrete Maßnahmen.
Eine gute Marktanalyse beantwortet deshalb nicht nur:
„Was passiert in diesem Markt?“
Sie beantwortet vor allem:
„Was bedeutet diese Entwicklung für unser Unternehmen – und was sollten wir als Nächstes tun?“
Genau darin liegt der eigentliche Wert einer professionellen Marktanalyse.
FAQ zur Marktanalyse#
Was versteht man unter einer Marktanalyse?#
Eine Marktanalyse ist die systematische Untersuchung eines Marktes hinsichtlich seiner Größe, Entwicklung, Kunden, Wettbewerber, Segmente, Trends sowie Chancen und Risiken. Sie dient als Grundlage für strategische und operative Unternehmensentscheidungen.
Wie erstellt man eine Marktanalyse?#
Zunächst werden Ziel und Markt definiert. Anschließend werden Marktgröße, Wachstum, Marktsegmente, Kunden, Wettbewerber, Eintrittsbarrieren und externe Einflussfaktoren analysiert. Abschließend werden die Erkenntnisse bewertet und konkrete strategische Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Welche Methoden gibt es für die Marktanalyse?#
Häufig eingesetzte Methoden sind unter anderem Marktsegmentierung, Wettbewerbsanalyse, PESTEL-Analyse, Porter's Five Forces, TAM-SAM-SOM, Top-down- und Bottom-up-Marktgrößenberechnungen sowie Kunden- und Experteninterviews.
Was ist der Unterschied zwischen Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse?#
Die Wettbewerbsanalyse untersucht primär bestehende und potenzielle Wettbewerber. Die Marktanalyse ist umfassender und betrachtet zusätzlich Kunden, Marktgröße, Wachstum, Segmente, Trends, regulatorische Rahmenbedingungen und weitere Einflussfaktoren. Die Wettbewerbsanalyse ist somit ein Bestandteil der Marktanalyse.
Warum ist eine Marktanalyse wichtig?#
Eine Marktanalyse reduziert Unsicherheit bei unternehmerischen Entscheidungen. Sie hilft dabei, attraktive Märkte und Kundensegmente zu identifizieren, Risiken frühzeitig zu erkennen und Entscheidungen zu Markteintritt, Produktentwicklung, Preisgestaltung, Vertrieb und Investitionen fundierter zu treffen.
Welche Informationen gehören in eine Marktanalyse?#
Zu einer umfassenden Marktanalyse gehören insbesondere Marktdefinition, Marktgröße, Marktvolumen, Marktpotenzial, Wachstum, Segmentierung, Zielgruppen, Wettbewerber, Preise, Vertriebskanäle, Markteintrittsbarrieren, Markttrends sowie Chancen und Risiken.
TOTAL DASHBOARD zeigt, welche wirtschaftlichen Risiken und Chancen fuer Ihr Unternehmen entstehen.
Early Access