Risikomanagement

Wirtschaftslexikon · Begriffe · Lesezeit ~13 Min

Risikomanagement bezeichnet den systematischen Umgang eines Unternehmens mit Unsicherheiten, die sich negativ oder positiv auf seine Ziele auswirken können. Im engeren Sinne konzentriert sich Risikomanagement vor allem auf potenzielle negative Abweichungen – also Ereignisse oder Entwicklungen, die Umsatz, Ergebnis, Liquidität, Vermögen, Lieferfähigkeit, Reputation oder strategische Ziele beeinträchtigen können.

Risikomanagement: Definition, Prozess, Methoden und Maßnahmen für Unternehmen#

Was ist Risikomanagement?#

Risikomanagement bezeichnet den systematischen Umgang eines Unternehmens mit Unsicherheiten, die sich negativ oder positiv auf seine Ziele auswirken können. Im engeren Sinne konzentriert sich Risikomanagement vor allem auf potenzielle negative Abweichungen – also Ereignisse oder Entwicklungen, die Umsatz, Ergebnis, Liquidität, Vermögen, Lieferfähigkeit, Reputation oder strategische Ziele beeinträchtigen können.

Ziel des Risikomanagements ist nicht, sämtliche Risiken zu vermeiden.

Unternehmerisches Handeln ist grundsätzlich mit Unsicherheit verbunden. Wachstum, Innovation und Investitionen wären ohne das Eingehen bestimmter Risiken kaum möglich.

Entscheidend ist deshalb:

Risiken frühzeitig erkennen, ihre Bedeutung einschätzen und bewusst entscheiden, wie mit ihnen umgegangen wird.

Typische Fragestellungen sind:

  • Welche Risiken bestehen für unser Unternehmen?
  • Wie wahrscheinlich ist ihr Eintritt?
  • Wie hoch wäre der mögliche Schaden?
  • Welche Risiken können wir akzeptieren?
  • Welche Risiken müssen reduziert werden?
  • Welche Risiken können wir übertragen?
  • Welche Frühindikatoren sollten wir beobachten?
  • Welche Maßnahmen greifen im Krisenfall?
  • Welche Risiken gefährden unsere Liquidität oder Existenz?
  • Welche Risiken entstehen aus Markt, Wettbewerb, Personal oder Lieferketten?

Risikomanagement ist damit ein zentraler Bestandteil von:

  • Unternehmensführung
  • Strategie
  • Controlling
  • Finanzplanung
  • Compliance
  • Lieferkettenmanagement
  • Investitionsplanung
  • Business Continuity Management

Warum ist Risikomanagement wichtig?#

Unternehmen sind permanent unterschiedlichen Unsicherheiten ausgesetzt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Nachfrageeinbrüche
  • steigende Kosten
  • Lieferantenausfälle
  • Fachkräftemangel
  • Cyberangriffe
  • Zahlungsausfälle
  • regulatorische Veränderungen
  • Naturereignisse
  • technologische Disruption
  • geopolitische Konflikte

Ein einzelnes Risiko muss nicht zwangsläufig existenzbedrohend sein.

Problematisch wird häufig die Kombination mehrerer Risiken.

Beispielsweise:

Umsatz sinkt

- Einkaufspreise steigen

- Kunde zahlt verspätet

- Kredit wird teurer\
= Liquiditätsproblem

Risikomanagement versucht deshalb nicht nur einzelne Ereignisse zu betrachten, sondern auch Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen Risiken.


Was ist ein Risiko?#

Ein Risiko ist eine mögliche zukünftige Entwicklung, deren tatsächlicher Eintritt und wirtschaftliche Wirkung unsicher sind.

Es besteht grundsätzlich aus mindestens zwei Komponenten:

Eintrittswahrscheinlichkeit × Auswirkung

Beispielsweise:

Ein Lieferant könnte ausfallen.

Die entscheidenden Fragen lauten:

  • Wie wahrscheinlich ist der Ausfall?
  • Welche Folgen hätte er?
  • Wie lange würde die Störung dauern?
  • Welche Alternativen existieren?

Dadurch wird aus einem abstrakten Risiko eine konkret analysierbare Größe.


Welche Risiken sollten Unternehmen analysieren?#

Risiken können nach unterschiedlichen Kategorien strukturiert werden.

Strategische Risiken#

Strategische Risiken betreffen die langfristige Ausrichtung des Unternehmens.

Beispiele:

  • falsche Marktpositionierung
  • technologische Disruption
  • neue Wettbewerber
  • Fehlentscheidungen bei Investitionen
  • Veränderung von Kundenbedürfnissen
  • Scheitern neuer Geschäftsmodelle

Diese Risiken sind häufig besonders schwierig zu quantifizieren.


Marktrisiken#

Marktrisiken entstehen aus Veränderungen von Absatz- oder Beschaffungsmärkten.

Dazu gehören:

  • Nachfrageeinbruch
  • Preisverfall
  • steigender Wettbewerb
  • Marktverlust
  • veränderte Kundenpräferenzen
  • neue Substitute

Finanzielle Risiken#

Finanzielle Risiken betreffen unter anderem:

  • Liquidität
  • Finanzierung
  • Zinsen
  • Wechselkurse
  • Zahlungsausfälle

Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem in Schwierigkeiten geraten, wenn nicht genügend Liquidität vorhanden ist.


Operative Risiken#

Operative Risiken entstehen im laufenden Geschäft.

Beispiele:

  • Produktionsausfall
  • Maschinenschaden
  • Qualitätsprobleme
  • Prozessfehler
  • IT-Ausfälle
  • Fehlbedienung
  • Personalausfall

Lieferkettenrisiken#

Dazu gehören:

  • Lieferantenausfälle
  • Transportprobleme
  • Rohstoffengpässe
  • geopolitische Störungen
  • Konzentration auf einzelne Regionen
  • mangelnde Lieferfähigkeit

Personalrisiken#

Mögliche Personalrisiken sind:

  • Fachkräftemangel
  • hohe Fluktuation
  • Schlüsselpersonenabhängigkeit
  • krankheitsbedingte Ausfälle
  • fehlende Nachfolge
  • Qualifikationslücken

Rechtliche und regulatorische Risiken#

Unternehmen können durch neue Vorschriften oder Rechtsstreitigkeiten betroffen sein.

Beispiele:

  • neue Gesetze
  • Produkthaftung
  • Datenschutz
  • Arbeitsrecht
  • Genehmigungen
  • Steuerrecht

Cyber- und IT-Risiken#

Digitale Systeme sind für viele Unternehmen geschäftskritisch.

Risiken können sein:

  • Cyberangriffe
  • Ransomware
  • Datenverlust
  • Systemausfälle
  • Cloud-Ausfälle
  • kompromittierte Lieferanten

Reputationsrisiken#

Reputationsschäden können entstehen durch:

  • Qualitätsprobleme
  • Fehlverhalten
  • Datenschutzverletzungen
  • schlechte Kundenkommunikation
  • Lieferprobleme

Der finanzielle Schaden kann schwer messbar, aber langfristig erheblich sein.


Wie funktioniert Risikomanagement?#

Ein professioneller Risikomanagementprozess besteht typischerweise aus mehreren Schritten.

1. Risiken identifizieren#

Zunächst werden mögliche Risiken systematisch erfasst.

Mögliche Methoden sind:

  • Workshops
  • Interviews
  • Prozessanalysen
  • SWOT-Analysen
  • Szenarioanalysen
  • Datenanalysen
  • Auswertung vergangener Schäden
  • Marktbeobachtung
  • Lieferantenanalysen

Wichtig ist, nicht nur bekannte Probleme zu betrachten.

Auch neu entstehende Risiken sollten regelmäßig gesucht werden.


2. Risiken beschreiben#

Ein Risiko sollte möglichst konkret formuliert werden.

Nicht ausreichend wäre:

„Lieferantenrisiko“

Besser:

„Ausfall des einzigen Lieferanten für Komponente X führt zu einem Produktionsstopp von mindestens vier Wochen.“

Eine präzise Formulierung erleichtert Bewertung und Maßnahmenplanung.


3. Risiken bewerten#

Anschließend wird bewertet:

  • Eintrittswahrscheinlichkeit
  • Schadenshöhe
  • Dauer
  • Auswirkungen
  • Steuerbarkeit

Viele Unternehmen verwenden dafür eine Risikomatrix.


Was ist eine Risikomatrix?#

Eine Risikomatrix ordnet Risiken anhand von zwei Dimensionen ein:

Eintrittswahrscheinlichkeit

und

Schadensausmaß

Ein Beispiel:

RisikoWahrscheinlichkeitAuswirkungPriorität
Lieferantenausfallmittelsehr hochhoch
leichter Preisrückganghochniedrigmittel
Cyberangriffmittelsehr hochhoch
kurzfristiger Personalausfallhochmittelmittel

Die Matrix hilft dabei, Risiken zu priorisieren.

Sie sollte jedoch nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage verwendet werden.


Welche Daten sind für Risikomanagement wichtig?#

Risikomanagement benötigt sowohl interne als auch externe Daten.

Interne Daten#

Dazu gehören:

  • Umsatz
  • Kosten
  • Liquidität
  • Forderungen
  • Auftragsbestand
  • Lagerbestand
  • Produktionsausfälle
  • Reklamationen
  • Krankenstand
  • Fluktuation
  • IT-Störungen

Externe Daten#

Dazu gehören:

  • Konjunktur
  • Branchenentwicklung
  • Rohstoffpreise
  • Wechselkurse
  • Zinsen
  • Lieferanteninformationen
  • politische Entwicklungen
  • Wetter- und Naturgefahren
  • regulatorische Veränderungen

Die Qualität des Risikomanagements hängt wesentlich davon ab, wie früh relevante Veränderungen erkannt werden.


Welche Kennzahlen sind wichtig?#

Ein unternehmerisches Risikodashboard kann beispielsweise enthalten:

BereichMögliche Kennzahl
Liquiditätverfügbare Liquidität
Forderungenüberfällige Forderungen
KundenrisikoUmsatzanteil Top-Kunden
LieferantenrisikoEinkaufsanteil Top-Lieferanten
PersonalFluktuation, Krankenstand
ProduktionStillstandszeiten
QualitätReklamationsquote
MarktAuftragseingang
FinanzierungVerschuldungsgrad
Cyberkritische Sicherheitsvorfälle

Zusätzlich sollten Schwellenwerte definiert werden.


Was sind Frühwarnindikatoren?#

Frühwarnindikatoren zeigen mögliche Risiken, bevor der Schaden eintritt.

Beispiele:

  • Auftragseingang sinkt
  • Zahlungsziele werden länger
  • Lieferzeiten steigen
  • Reklamationen nehmen zu
  • Mitarbeiterfluktuation steigt
  • Lieferant verliert Bonität
  • Lagerreichweite kritischer Teile sinkt
  • Cyberangriffe nehmen zu

Ein gutes Risikomanagement sollte deshalb nicht nur Schäden dokumentieren, sondern Frühindikatoren überwachen.


Risiko und Schadenshöhe quantifizieren#

Wenn möglich, sollten Risiken finanziell bewertet werden.

Beispiel:

Ein Produktionsausfall könnte kosten:

  • entgangene Deckungsbeiträge
  • Stillstandskosten
  • Vertragsstrafen
  • Expresslieferungen
  • zusätzliche Personalkosten

Dadurch lässt sich besser einschätzen, wie viel eine Gegenmaßnahme wirtschaftlich wert sein darf.


Was bedeutet Risikotragfähigkeit?#

Die Risikotragfähigkeit beschreibt, wie viele Risiken ein Unternehmen wirtschaftlich verkraften kann.

Entscheidend ist beispielsweise:

  • Eigenkapital
  • Liquidität
  • Finanzierungsspielraum
  • Ertragskraft

Ein Risiko von 1 Million Euro kann für einen großen Konzern relativ gering sein, für ein mittelständisches Unternehmen aber existenzbedrohend.

Risiken sollten deshalb immer in Relation zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit betrachtet werden.


Was bedeutet Risikoappetit?#

Der Risikoappetit beschreibt, welches Maß an Risiko ein Unternehmen bewusst akzeptieren möchte.

Ein junges Wachstumsunternehmen kann einen höheren Risikoappetit besitzen als ein Unternehmen mit starkem Fokus auf Stabilität.

Der Risikoappetit beeinflusst beispielsweise:

  • Investitionen
  • Finanzierung
  • Expansion
  • Lagerbestände
  • Lieferantenstrategien

Welche Strategien gibt es im Risikomanagement?#

Grundsätzlich lassen sich vier klassische Strategien unterscheiden.

Risiko vermeiden#

Die risikobehaftete Tätigkeit wird nicht durchgeführt.

Beispiel:

Ein Unternehmen verzichtet auf einen Markteintritt in einem politisch instabilen Land.


Risiko reduzieren#

Die Wahrscheinlichkeit oder der mögliche Schaden wird verringert.

Beispiele:

  • zweiter Lieferant
  • Sicherheitsbestände
  • Cybersecurity
  • Qualitätskontrollen

Risiko übertragen#

Ein Teil des Risikos wird auf Dritte übertragen.

Beispiele:

  • Versicherungen
  • Garantien
  • Vertragsregelungen
  • Hedging

Risiko akzeptieren#

Das Unternehmen akzeptiert das Risiko bewusst.

Dies kann sinnvoll sein, wenn:

  • Eintrittswahrscheinlichkeit gering ist,
  • Schaden begrenzt ist,
  • Gegenmaßnahmen teurer wären.

Welche Maßnahmen lassen sich aus einer Risikoanalyse ableiten?#

Liquiditätsreserve erhöhen#

Bei erhöhten wirtschaftlichen Risiken kann zusätzliche Liquidität sinnvoll sein.

Möglichkeiten:

  • höhere Bankguthaben
  • Kreditlinien
  • Working-Capital-Optimierung

Kundenrisiken reduzieren#

Bei hoher Abhängigkeit von wenigen Kunden können Unternehmen:

  • neue Kundengruppen erschließen,
  • Kreditlimits definieren,
  • Zahlungsausfälle absichern.

Lieferanten diversifizieren#

Single-Source-Abhängigkeiten können durch:

  • Dual Sourcing
  • alternative Lieferanten
  • Sicherheitsbestände

reduziert werden.


Prozesse absichern#

Kritische Prozesse können beispielsweise durch:

  • Redundanzen
  • Backup-Systeme
  • Notfallpläne

geschützt werden.


Versicherungen einsetzen#

Bestimmte Risiken können durch Versicherungen übertragen werden.

Dies ersetzt jedoch keine Prävention.


Vertragsrisiken reduzieren#

Verträge können Regelungen zu:

  • Haftung
  • Preisänderungen
  • Lieferzeiten
  • Kündigung
  • Sicherheiten

enthalten.


Was ist ein Risikoportfolio?#

Ein Risikoportfolio fasst die wichtigsten Unternehmensrisiken zusammen.

Typische Informationen sind:

  • Risikobezeichnung
  • Verantwortlicher
  • Eintrittswahrscheinlichkeit
  • Schadenshöhe
  • Maßnahmen
  • Status
  • Frühindikatoren

Dadurch erhält die Geschäftsführung einen strukturierten Überblick.


Was ist ein Risikoregister?#

Ein Risikoregister ist eine systematische Liste aller identifizierten Risiken.

Beispiel:

RisikoVerantwortlichWahrscheinlichkeitAuswirkungMaßnahme
Lieferant A fällt ausEinkaufmittelhochZweitlieferant
Kunde B zahlt nichtVertriebniedrighochKreditlimit
IT-System fällt ausITmittelsehr hochBackup

Das Register sollte regelmäßig aktualisiert werden.


Welche Rolle spielen Szenarioanalysen?#

Szenarioanalysen sind besonders wichtig bei komplexen Risiken.

Beispiele:

Rezession

starker Rohstoffpreisanstieg

wichtiger Lieferant fällt aus

Cyberangriff

Ausfall eines Standorts

Für jedes Szenario sollte geprüft werden:

  • Welche Geschäftsbereiche sind betroffen?
  • Wie hoch ist der Schaden?
  • Wie lange hält das Unternehmen durch?
  • Welche Maßnahmen greifen?

Was sind Stresstests?#

Stresstests simulieren besonders negative Entwicklungen.

Beispiele:

  • Umsatz sinkt um 30 %
  • Rohstoffpreise steigen um 50 %
  • größter Kunde fällt aus
  • Produktion steht vier Wochen

Dadurch kann überprüft werden, ob das Unternehmen auch unter extremen Bedingungen handlungsfähig bleibt.


Business Continuity Management#

Risikomanagement und Business Continuity Management sind eng miteinander verbunden.

Risikomanagement versucht Risiken zu erkennen und zu reduzieren.

Business Continuity Management beantwortet dagegen:

Wie halten wir kritische Geschäftsprozesse aufrecht, wenn das Risiko tatsächlich eintritt?

Dazu gehören:

  • Notfallpläne
  • Ersatzstandorte
  • IT-Backups
  • Kommunikationspläne
  • alternative Lieferanten

Welchen Zeitraum sollte Risikomanagement berücksichtigen?#

Eine gute Risikoanalyse betrachtet mehrere Zeithorizonte.

Kurzfristig: Tage bis 12 Monate#

Relevant sind beispielsweise:

  • Liquidität
  • Lieferfähigkeit
  • offene Forderungen
  • Produktionsrisiken
  • operative Cyberrisiken

Mittelfristig: 1 bis 3 Jahre#

Relevant sind:

  • Finanzierung
  • Personalentwicklung
  • Lieferantenstruktur
  • Marktrisiken
  • Investitionen

Langfristig: 3 bis 10 Jahre#

Relevant sind:

  • Technologie
  • Demografie
  • Standort
  • Regulierung
  • Klimarisiken
  • geopolitische Veränderungen

Strategische Risiken benötigen häufig einen längeren Betrachtungshorizont.


Welche Standorte sollte man im Risikomanagement analysieren?#

Risiken sollten geografisch differenziert betrachtet werden.

Relevant sind:

  • Unternehmensstandorte
  • Produktionswerke
  • Lager
  • Rechenzentren
  • Lieferantenstandorte
  • wichtige Kundenregionen
  • Transportkorridore

Besonders kritisch sind sogenannte Single Points of Failure.

Ein einzelner Standort kann beispielsweise kritisch sein, wenn dort eine zentrale Produktion gebündelt ist.


Welche geografischen Risiken sind relevant?#

Mögliche Faktoren sind:

  • Naturgefahren
  • politische Stabilität
  • Infrastruktur
  • Energieversorgung
  • Arbeitskräfte
  • regulatorische Rahmenbedingungen
  • geopolitische Konflikte

Bei internationalen Unternehmen sollte deshalb ein geografisches Risikoprofil erstellt werden.


Wie häufig sollte Risikomanagement aktualisiert werden?#

Risikomanagement ist kein einmaliges Projekt.

Es sollte kontinuierlich erfolgen.

BereichMögliche Frequenz
operative Risikenlaufend
Liquiditättäglich bis wöchentlich
Kundenrisikenmonatlich
Lieferantenrisikenmonatlich bis quartalsweise
Finanzrisikenmonatlich
strategische Risikenquartalsweise
gesamtes Risikoprofilmindestens jährlich

Bei starken Veränderungen sollte eine sofortige Neubewertung erfolgen.


Kann Risikomanagement automatisiert werden?#

Ja. Viele Risikosignale lassen sich automatisiert überwachen.

Beispiele:

  • Liquiditätskennzahlen
  • Forderungen
  • Lieferzeiten
  • Lieferantenbonität
  • Rohstoffpreise
  • Wechselkurse
  • Cybersecurity-Ereignisse
  • regulatorische Meldungen

Automatisierte Warnsysteme können auf Abweichungen oder definierte Schwellenwerte reagieren.


Welche Rolle spielt KI im Risikomanagement?#

KI kann große Datenmengen analysieren und Muster erkennen.

Mögliche Anwendungen sind:

  • Betrugserkennung
  • Lieferantenrisiken
  • Nachfrageprognosen
  • Cybersecurity
  • Ausfallwahrscheinlichkeiten
  • Nachrichtenanalyse

KI kann Hinweise liefern, ersetzt jedoch nicht die Verantwortung der Unternehmensführung.


Welche Ableitungen können Unternehmer treffen?#

Eine strukturierte Risikoanalyse ermöglicht unter anderem folgende Erkenntnisse:

Existenzielle Risiken erkennen#

Unternehmen können identifizieren, welche Risiken die wirtschaftliche Existenz bedrohen könnten.


Kapital gezielter einsetzen#

Risikoreduktionsmaßnahmen können priorisiert werden.


Abhängigkeiten erkennen#

Es wird sichtbar, wo starke Abhängigkeiten von:

  • Kunden
  • Lieferanten
  • Mitarbeitern
  • Regionen
  • Technologien

bestehen.


Entscheidungen robuster machen#

Investitionen und Strategien können unter mehreren Szenarien geprüft werden.


Krisenfestigkeit erhöhen#

Das Unternehmen kann Notfallmaßnahmen vorbereiten, bevor ein Ereignis eintritt.


Risikomanagement mit anderen Analysen kombinieren#

Risikomanagement sollte nicht isoliert betrachtet werden.

Wirtschaftsanalyse

Welche gesamtwirtschaftlichen Risiken entstehen?

Branchenanalyse

Welche strukturellen Branchenrisiken existieren?

Wettbewerbsanalyse

Welche Wettbewerbsrisiken entstehen?

Standortanalyse

Welche geografischen Risiken bestehen?

Personalmarktanalyse

Welche Personalengpässe sind wahrscheinlich?

Lieferkettenanalyse

Welche Versorgungsrisiken existieren?

Beschaffungsmarktanalyse

Welche Preis- und Lieferantenrisiken bestehen?

Dadurch entsteht ein ganzheitliches Unternehmensrisikoprofil.


Fazit: Risikomanagement als Bestandteil guter Unternehmensführung#

Risikomanagement ist der systematische Prozess zur Identifikation, Bewertung, Steuerung und Überwachung von Unternehmensrisiken.

Dabei geht es nicht darum, sämtliche Risiken zu vermeiden.

Unternehmen müssen vielmehr entscheiden:

Welche Risiken können wir eingehen, welche müssen wir reduzieren und welche könnten unsere Existenz gefährden?

Eine gute Risikoanalyse berücksichtigt:

  • Eintrittswahrscheinlichkeit
  • Schadenshöhe
  • Abhängigkeiten
  • Frühindikatoren
  • Risikotragfähigkeit
  • mögliche Gegenmaßnahmen

Die zentrale Logik lautet:

Risiko identifizieren → bewerten → priorisieren → Maßnahme definieren → überwachen

Unternehmen können Risiken:

  • vermeiden,
  • reduzieren,
  • übertragen oder
  • bewusst akzeptieren.

Professionelles Risikomanagement beantwortet deshalb nicht nur:

„Was könnte schiefgehen?“

Sondern vor allem:

„Welche Entwicklungen gefährden unsere Unternehmensziele, wie früh können wir sie erkennen und welche Maßnahmen müssen vorbereitet sein, damit wir auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig bleiben?“


Häufige Fragen zum Risikomanagement#

Was versteht man unter Risikomanagement?#

Risikomanagement bezeichnet den systematischen Umgang mit Unternehmensrisiken. Dazu gehören die Identifikation, Bewertung, Steuerung und kontinuierliche Überwachung von Risiken.

Welche Risiken gibt es in Unternehmen?#

Typische Risiken sind strategische, operative, finanzielle, rechtliche, personelle, technologische, Cyber-, Lieferketten- und Marktrisiken.

Wie bewertet man ein Risiko?#

Risiken werden häufig anhand von Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichem Schadensausmaß bewertet. Zusätzlich können Dauer, Wechselwirkungen und Steuerbarkeit berücksichtigt werden.

Welche Methoden gibt es im Risikomanagement?#

Häufig eingesetzt werden Risikomatrizen, Risikoregister, Szenarioanalysen, Stresstests, Frühwarnindikatoren und Risikoportfolios.

Welche Maßnahmen kann man gegen Risiken ergreifen?#

Grundsätzlich können Risiken vermieden, reduziert, übertragen oder bewusst akzeptiert werden.

Welchen Zeitraum sollte Risikomanagement betrachten?#

Operative Risiken sollten kurzfristig überwacht werden. Strategische Risiken erfordern häufig einen Betrachtungshorizont von mehreren Jahren.

Welche Standorte sollten analysiert werden?#

Neben eigenen Unternehmensstandorten sollten Produktionswerke, Lager, Lieferantenstandorte, wichtige Absatzregionen und kritische Transportwege berücksichtigt werden.

Kann Risikomanagement automatisiert werden?#

Ja. Zahlreiche Kennzahlen und Frühwarnindikatoren lassen sich automatisiert überwachen. Strategische Bewertung und Entscheidungen sollten jedoch weiterhin durch verantwortliche Führungskräfte erfolgen.

Behalten Sie Ihre Risiken im Blick.
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