Standortanalyse
Was ist eine Standortanalyse? Erfahren Sie, welche Standortfaktoren Unternehmen prüfen sollten, wie Standorte verglichen werden und welche Entscheidungen sich daraus ableiten lassen.
Standortanalyse: Definition, Kriterien, Methoden und Nutzen für Unternehmen#
Was ist eine Standortanalyse?#
Eine Standortanalyse ist die systematische Untersuchung und Bewertung eines bestehenden oder potenziellen Unternehmensstandorts. Ziel ist es, herauszufinden, wie gut ein Standort zu den wirtschaftlichen, strategischen und operativen Anforderungen eines Unternehmens passt.
Dabei werden unter anderem Faktoren wie:
- Marktpotenzial
- Kundenstruktur
- Wettbewerb
- Arbeitskräfte
- Lohnkosten
- Gewerbeflächen
- Infrastruktur
- Verkehrsanbindung
- Energieversorgung
- Steuern
- Fördermöglichkeiten
- regulatorische Rahmenbedingungen
- Lebensqualität
analysiert.
Eine Standortanalyse kann sowohl bei der Auswahl eines neuen Standorts als auch bei der Bewertung eines bestehenden Standorts durchgeführt werden.
Typische Fragestellungen sind:
- Wo sollte ein neuer Unternehmensstandort entstehen?
- Ist ein bestehender Standort langfristig noch attraktiv?
- Welche Region bietet die besten Bedingungen für eine Expansion?
- Wo sind qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar?
- Welche Standorte bieten die niedrigsten Gesamtkosten?
- Wo befindet sich das größte Absatzpotenzial?
- Welche Standorte eignen sich für Produktion, Logistik oder Vertrieb?
- Welche Risiken bestehen an einem Standort?
- Ist eine Verlagerung wirtschaftlich sinnvoll?
Die Standortanalyse ist damit ein wichtiges Instrument für Expansion, Investitionsplanung, Produktionsstrategie, Logistik, Personalplanung und Risikomanagement.
Warum ist eine Standortanalyse wichtig?#
Standortentscheidungen gehören häufig zu den langfristigsten und kapitalintensivsten Entscheidungen eines Unternehmens.
Ein einmal gewählter Standort lässt sich oft nur mit erheblichem Aufwand verändern.
Fehlentscheidungen können beispielsweise zu:
- hohen Personalkosten,
- Fachkräftemangel,
- langen Transportwegen,
- schwacher Kundennähe,
- hohen Immobilienkosten,
- ungünstigen Steuern,
- eingeschränkten Erweiterungsmöglichkeiten oder
- erhöhten Lieferkettenrisiken
führen.
Eine Standortanalyse soll solche Risiken möglichst früh sichtbar machen.
Dabei geht es nicht darum, den „besten Standort“ allgemein zu finden.
Entscheidend ist vielmehr:
Welcher Standort passt am besten zum konkreten Geschäftsmodell und zur Unternehmensstrategie?
Ein Logistikunternehmen benötigt andere Standortfaktoren als ein Softwareunternehmen. Ein Produktionsbetrieb bewertet Energieversorgung und Transportwege möglicherweise stärker als Kaufkraft und Kundenfrequenz.
Wann sollte eine Standortanalyse durchgeführt werden?#
Eine Standortanalyse ist insbesondere sinnvoll bei:
- Unternehmensgründungen
- Expansion
- Eröffnung neuer Filialen
- Aufbau neuer Produktionskapazitäten
- Errichtung von Logistikzentren
- Verlagerung bestehender Standorte
- Internationalisierung
- Unternehmensübernahmen
- Konsolidierung mehrerer Standorte
- langfristiger strategischer Planung
Auch bestehende Standorte sollten regelmäßig überprüft werden.
Denn Standortbedingungen verändern sich.
Beispielsweise können sich:
- Arbeitskosten,
- Energiepreise,
- Verkehrsanbindungen,
- Steuern,
- Bevölkerungsstruktur,
- Kaufkraft oder
- regulatorische Bedingungen
über Jahre deutlich verändern.
Welche Standortfaktoren werden analysiert?#
Standortfaktoren werden häufig in harte und weiche Standortfaktoren unterteilt.
Harte Standortfaktoren#
Harte Standortfaktoren lassen sich relativ objektiv messen und haben einen direkten Einfluss auf Kosten oder Geschäftstätigkeit.
Dazu gehören beispielsweise:
- Grundstückspreise
- Mietkosten
- Personalkosten
- Steuern
- Energiepreise
- Transportkosten
- Infrastruktur
- Verfügbarkeit von Gewerbeflächen
- Nähe zu Kunden
- Nähe zu Lieferanten
- Breitbandversorgung
- Genehmigungsverfahren
Diese Faktoren können häufig quantitativ miteinander verglichen werden.
Weiche Standortfaktoren#
Weiche Standortfaktoren sind schwieriger messbar, können aber insbesondere bei wissensintensiven Unternehmen sehr wichtig sein.
Dazu gehören beispielsweise:
- Lebensqualität
- Image einer Region
- kulturelles Angebot
- Bildungsangebot
- Wohnraum
- internationale Schulen
- Freizeitmöglichkeiten
- Attraktivität für Fachkräfte
- Innovationsumfeld
- Hochschulen und Forschungsinstitute
Gerade im Wettbewerb um hochqualifizierte Mitarbeiter können solche Faktoren erheblichen Einfluss auf den Erfolg eines Standorts haben.
Welche wirtschaftlichen Faktoren sollte man analysieren?#
Marktpotenzial#
Bei vertriebs- oder kundenorientierten Standorten ist das Marktpotenzial besonders wichtig.
Relevant sind unter anderem:
- Einwohnerzahl
- Haushaltszahl
- Kaufkraft
- Unternehmensdichte
- Branchenstruktur
- Wachstum der Region
- potenzielle Kundenzahl
Dabei sollte nicht ausschließlich der Standort selbst betrachtet werden.
Entscheidend ist häufig das gesamte Einzugsgebiet.
Ein Einzelhandelsstandort kann beispielsweise Kunden aus einem Radius von mehreren Kilometern anziehen. Ein B2B-Anbieter kann dagegen einen deutlich größeren geografischen Markt bedienen.
Kaufkraft#
Die Kaufkraft zeigt, welche finanziellen Mittel privaten Haushalten grundsätzlich für Konsum zur Verfügung stehen.
Sie kann insbesondere für folgende Unternehmen relevant sein:
- Einzelhandel
- Gastronomie
- Dienstleistungen
- Immobilien
- Freizeitangebote
Eine hohe Kaufkraft allein garantiert jedoch keinen wirtschaftlichen Erfolg.
Zusätzlich müssen Wettbewerb, Kundenstruktur und tatsächliches Nachfrageverhalten berücksichtigt werden.
Bevölkerungsentwicklung#
Die demografische Entwicklung kann für langfristige Standortentscheidungen entscheidend sein.
Wichtige Faktoren sind:
- Bevölkerungswachstum
- Bevölkerungsrückgang
- Altersstruktur
- Migration
- Haushaltsgrößen
- Urbanisierung
Ein Standort mit sinkender Bevölkerung kann langfristig sowohl das Absatzpotenzial als auch das Arbeitskräfteangebot beeinträchtigen.
Arbeitsmarkt als Standortfaktor#
Für viele Unternehmen ist der Arbeitsmarkt einer der wichtigsten Standortfaktoren.
Analysiert werden sollten unter anderem:
- Anzahl verfügbarer Arbeitskräfte
- Qualifikationsniveau
- Arbeitslosenquote
- Fachkräftedichte
- Hochschulabsolventen
- Berufsausbildung
- Pendlerströme
- Lohnniveau
- Wettbewerb um Fachkräfte
Dabei ist nicht nur entscheidend, ob grundsätzlich genügend Arbeitskräfte vorhanden sind.
Wichtig ist, ob die benötigten Qualifikationen verfügbar sind.
Ein Technologieunternehmen benötigt beispielsweise möglicherweise Softwareentwickler und Ingenieure, während ein Logistikzentrum andere Qualifikationen benötigt.
Personalkosten vergleichen#
Personalkosten können zwischen Regionen erheblich variieren.
Eine Standortanalyse sollte deshalb nicht nur durchschnittliche Löhne betrachten.
Relevant sind zusätzlich:
- Arbeitgebernebenkosten
- Tarifbindungen
- regionale Lohnunterschiede
- Schichtzuschläge
- Kosten der Personalgewinnung
- Fluktuation
- Weiterbildungsaufwand
Ein Standort mit niedrigeren Löhnen kann insgesamt trotzdem teurer sein, wenn Fachkräfte schwer verfügbar sind und hohe Rekrutierungs- oder Fluktuationskosten entstehen.
Infrastruktur analysieren#
Die Qualität der Infrastruktur beeinflusst zahlreiche Geschäftsmodelle.
Wichtige Bereiche sind:
- Autobahnen
- Bundesstraßen
- Schienenverkehr
- Häfen
- Flughäfen
- öffentlicher Nahverkehr
- Breitband
- Mobilfunk
- Stromnetze
- Energieversorgung
Welche Infrastruktur besonders wichtig ist, hängt stark vom Unternehmen ab.
Für ein Logistikzentrum ist die Autobahnanbindung möglicherweise entscheidend.
Für ein digitales Unternehmen kann dagegen eine leistungsfähige Telekommunikationsinfrastruktur wichtiger sein.
Nähe zu Kunden und Absatzmärkten#
Kundennähe kann sowohl wirtschaftliche als auch strategische Vorteile bieten.
Mögliche Vorteile sind:
- kürzere Lieferzeiten
- niedrigere Transportkosten
- schneller Kundenservice
- bessere Marktkenntnis
- intensivere Kundenbeziehungen
Besonders relevant ist die Kundennähe bei:
- Logistik
- Einzelhandel
- Dienstleistungen
- Just-in-Time-Produktion
- beratungsintensiven Produkten
Bei digitalen Geschäftsmodellen kann die geografische Nähe dagegen eine geringere Rolle spielen.
Nähe zu Lieferanten#
Für Produktionsunternehmen kann die Nähe zu Lieferanten erheblichen Einfluss auf Kosten und Versorgungssicherheit haben.
Analysiert werden sollten:
- Entfernung zu wichtigen Lieferanten
- Transportkosten
- Lieferzeiten
- Anzahl alternativer Lieferanten
- regionale Lieferantencluster
Eine hohe Konzentration von Lieferanten kann Vorteile bieten.
Gleichzeitig kann eine starke regionale Abhängigkeit ein Risiko darstellen.
Immobilien- und Flächenkosten#
Standortanalysen sollten sowohl aktuelle als auch zukünftige Flächenanforderungen berücksichtigen.
Wichtige Faktoren sind:
- Kaufpreise
- Mieten
- Nebenkosten
- Grundstücksverfügbarkeit
- Erweiterungsmöglichkeiten
- Baukosten
- Genehmigungen
Ein Standort kann heute günstig erscheinen, aber langfristig ungeeignet sein, wenn keine Erweiterungsflächen vorhanden sind.
Energieversorgung und Energiekosten#
Für energieintensive Unternehmen ist die Energieversorgung ein zentraler Standortfaktor.
Relevant sind:
- Strompreise
- Gaspreise
- Netzkapazitäten
- Versorgungssicherheit
- erneuerbare Energiequellen
- mögliche Eigenversorgung
- langfristige Energieverträge
Besonders bei Produktionsstandorten können geringe Unterschiede bei den Energiekosten erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtkosten haben.
Steuern und Abgaben#
Steuerliche Unterschiede können ebenfalls Einfluss auf Standortentscheidungen haben.
Zu prüfen sind beispielsweise:
- Gewerbesteuer
- Körperschaftsteuer
- Grundsteuer
- lokale Gebühren
- internationale Steuerregelungen
Bei internationalen Standortentscheidungen können zusätzlich:
- Quellensteuern
- Doppelbesteuerungsabkommen
- Zollregelungen
eine Rolle spielen.
Steuern sollten allerdings niemals isoliert betrachtet werden.
Ein steuerlich günstiger Standort kann wirtschaftlich unattraktiv sein, wenn Arbeitskräfte, Infrastruktur oder Absatzpotenzial fehlen.
Fördermittel und Investitionsanreize#
Viele Regionen versuchen, Unternehmensinvestitionen durch Förderprogramme anzuziehen.
Mögliche Förderungen betreffen beispielsweise:
- Investitionen
- Forschung und Entwicklung
- Energieeffizienz
- Digitalisierung
- Beschäftigung
- Ausbildung
- Infrastruktur
Bei großen Investitionsprojekten können Förderprogramme die Wirtschaftlichkeit eines Standorts deutlich verändern.
Sie sollten jedoch als zusätzlicher Faktor betrachtet werden und nicht einen grundsätzlich ungeeigneten Standort rechtfertigen.
Wettbewerb am Standort#
Auch die Wettbewerbsdichte gehört zur Standortanalyse.
Dabei kann hohe Konkurrenz sowohl negativ als auch positiv sein.
Negative Auswirkungen können sein:
- Preisdruck
- Fachkräftewettbewerb
- höhere Mieten
- schwierigere Kundengewinnung
Gleichzeitig entstehen in Branchenclustern häufig Vorteile:
- spezialisierte Zulieferer
- qualifizierte Arbeitskräfte
- Forschungseinrichtungen
- Branchenwissen
- Kooperationen
Deshalb sollte Wettbewerb nicht ausschließlich als Risiko interpretiert werden.
Wie wird eine Standortanalyse durchgeführt?#
Eine professionelle Standortanalyse lässt sich in mehreren Schritten durchführen.
1. Anforderungen definieren#
Zunächst muss geklärt werden, welche Anforderungen der Standort erfüllen muss.
Beispielsweise:
- maximale Entfernung zu Kunden
- Mindestfläche
- verfügbare Fachkräfte
- Autobahnanbindung
- Energieversorgung
- maximale Standortkosten
Dabei sollten Muss-Kriterien und Wunsch-Kriterien unterschieden werden.
Ein Standort, der ein zwingendes Muss-Kriterium nicht erfüllt, kann frühzeitig ausgeschlossen werden.
2. Suchgebiet festlegen#
Im nächsten Schritt wird definiert, welche Regionen grundsätzlich infrage kommen.
Je nach Projekt kann dies sein:
- eine Stadt
- ein Landkreis
- ein Bundesland
- Deutschland
- Europa
- weltweit
Bei großen Investitionen empfiehlt sich häufig ein mehrstufiger Prozess.
Beispielsweise:
Länder → Regionen → Städte → konkrete Grundstücke
Dadurch wird die Analyse schrittweise detaillierter.
3. Daten erheben#
Anschließend werden relevante Standortdaten gesammelt.
Mögliche Quellen sind:
- statistische Ämter
- Kommunen
- Wirtschaftsförderungen
- Arbeitsagenturen
- Immobilienmärkte
- Verkehrsstatistiken
- Energieversorger
- Handelskammern
- Unternehmensdaten
Wichtig ist, Daten möglichst einheitlich zu erheben, damit Standorte tatsächlich miteinander vergleichbar sind.
4. Standorte bewerten#
Die Standorte werden anschließend anhand vorher definierter Kriterien bewertet.
Eine häufig eingesetzte Methode ist die Nutzwertanalyse.
Dabei erhält jedes Kriterium zunächst eine Gewichtung.
Beispielsweise:
| Kriterium | Gewichtung |
|---|---|
| Fachkräfte | 25 % |
| Standortkosten | 20 % |
| Kundennähe | 20 % |
| Infrastruktur | 15 % |
| Energie | 10 % |
| Erweiterungsmöglichkeiten | 10 % |
Jeder Standort wird anschließend bewertet.
Aus Bewertung und Gewichtung entsteht ein Gesamtscore.
Die Gewichtungen müssen dabei unbedingt zum konkreten Geschäftsmodell passen.
Standortanalyse mit Scoring-Modell#
Ein einfaches Bewertungsmodell kann beispielsweise mit einer Skala von 1 bis 10 arbeiten.
Beispiel:
| Standortfaktor | Gewicht | Standort A | Standort B |
|---|---|---|---|
| Fachkräfte | 25 % | 8 | 6 |
| Kosten | 20 % | 5 | 9 |
| Kundennähe | 20 % | 9 | 6 |
| Infrastruktur | 15 % | 8 | 7 |
| Energie | 10 % | 7 | 7 |
| Expansion | 10 % | 6 | 9 |
Dadurch werden unterschiedliche Standortfaktoren transparent miteinander vergleichbar.
Das Scoring-Modell ersetzt jedoch keine strategische Bewertung.
Es dient vor allem dazu, Entscheidungen nachvollziehbar und strukturiert vorzubereiten.
Welche Daten sind bei einer Standortanalyse wichtig?#
Eine umfangreiche Standortdatenbank kann unter anderem folgende Kennzahlen enthalten:
| Bereich | Relevante Daten |
|---|---|
| Bevölkerung | Einwohner, Wachstum, Altersstruktur |
| Kaufkraft | Einkommen, Kaufkraftindex |
| Wirtschaft | BIP, Unternehmensdichte, Branchen |
| Arbeitsmarkt | Beschäftigte, Arbeitslose, Fachkräfte |
| Personalkosten | Löhne, Lohnnebenkosten |
| Immobilien | Mieten, Grundstückspreise |
| Verkehr | Straßen, Schiene, Flughäfen, Häfen |
| Digitalisierung | Glasfaser, Mobilfunk |
| Energie | Preise, Netzkapazitäten |
| Steuern | lokale und nationale Abgaben |
| Wettbewerb | Anzahl und Größe relevanter Wettbewerber |
| Lieferanten | Anzahl und Entfernung |
| Kunden | Anzahl und Entfernung |
| Bildung | Schulen, Hochschulen, Ausbildung |
| Demografie | Wachstum, Migration, Alter |
| Lebensqualität | Wohnen, Freizeit, Gesundheit |
Nicht jede Kennzahl ist für jedes Unternehmen relevant.
Die Auswahl sollte stets aus der Unternehmensstrategie abgeleitet werden.
Welche Standorte sollte man vergleichen?#
Eine gute Standortanalyse sollte nicht nur den offensichtlichsten Standort betrachten.
Sinnvoll ist ein Vergleich mehrerer Alternativen.
Beispielsweise:
Bestehender Standort#
Der aktuelle Standort dient häufig als Referenz.
Dadurch kann bewertet werden, ob eine Verlagerung tatsächlich wirtschaftliche Vorteile bietet.
Naheliegende Alternativen#
Dazu gehören beispielsweise:
- Nachbarstädte
- angrenzende Landkreise
- andere Gewerbegebiete
Diese Alternativen können ähnliche Marktbedingungen bieten, aber geringere Kosten besitzen.
Nationale Alternativen#
Bei größeren Investitionen sollten möglicherweise mehrere Regionen innerhalb eines Landes verglichen werden.
Internationale Alternativen#
Für Produktions-, Entwicklungs- oder Logistikstandorte kann auch ein internationaler Vergleich sinnvoll sein.
Dabei müssen zusätzliche Faktoren berücksichtigt werden:
- politische Stabilität
- Wechselkurse
- Zölle
- Rechtssystem
- Sprache
- kulturelle Unterschiede
- internationale Logistik
Welchen geografischen Radius sollte man berücksichtigen?#
Der relevante Radius hängt vom Standorttyp ab.
Bei einem Einzelhandelsgeschäft können wenige Kilometer entscheidend sein.
Bei einem Logistikzentrum können mehrere hundert Kilometer relevant sein.
Bei einer Produktionsstätte können nationale oder internationale Lieferketten entscheidend sein.
Eine Standortanalyse sollte deshalb mehrere Ebenen betrachten:
Makrostandort
Land oder größere Region.
Mesostandort
Bundesland, Region oder Ballungsraum.
Mikrostandort
konkrete Stadt, Gemeinde, Gewerbegebiet oder Grundstück.
Diese Ebenen sollten nacheinander analysiert werden.
Welche Zeiträume sollte eine Standortanalyse berücksichtigen?#
Standortentscheidungen wirken häufig über viele Jahre.
Deshalb sollte eine Analyse nicht nur aktuelle Daten betrachten.
Aktuelle Situation#
Aktuelle Daten zeigen:
- heutige Kosten
- bestehende Infrastruktur
- aktuelle Arbeitsmarktlage
- gegenwärtiges Marktpotenzial
Mittelfristige Entwicklung: 3 bis 5 Jahre#
Hier sollten beispielsweise berücksichtigt werden:
- Bevölkerungsentwicklung
- Arbeitsmarkt
- Infrastrukturprojekte
- Unternehmensansiedlungen
- Immobilienentwicklung
Langfristige Entwicklung: 10 bis 20 Jahre#
Bei großen Produktions- oder Immobilieninvestitionen kann ein deutlich längerer Horizont notwendig sein.
Relevant sind insbesondere:
- Demografie
- Urbanisierung
- Verkehrsinfrastruktur
- Energieversorgung
- Klimarisiken
- Fachkräfteentwicklung
- Strukturwandel
Der günstigste Standort heute ist nicht zwangsläufig der wirtschaftlich beste Standort in zehn Jahren.
Welche Ableitungen können Unternehmer aus einer Standortanalyse treffen?#
Eine Standortanalyse kann unter anderem Antworten auf folgende strategische Fragen liefern:
- Soll der bestehende Standort beibehalten werden?
- Sollte ein zusätzlicher Standort eröffnet werden?
- Welche Region eignet sich für Expansion?
- Ist eine Verlagerung wirtschaftlich sinnvoll?
- Wo sollte ein neues Logistikzentrum entstehen?
- Wo lassen sich Fachkräfte besser gewinnen?
- Welche Regionen besitzen das höchste Absatzpotenzial?
- Wo bestehen langfristige Kostenrisiken?
Aus den Daten entstehen somit konkrete Investitions- und Standortentscheidungen.
Welche Maßnahmen können aus einer Standortanalyse abgeleitet werden?#
Standort eröffnen#
Ein attraktiver Standort kann die Grundlage für:
- neue Filialen
- Produktionsstätten
- Vertriebsbüros
- Logistikzentren
- Entwicklungsstandorte
bilden.
Standort erweitern#
Wenn Marktpotenzial und Standortbedingungen positiv sind, kann eine Erweiterung sinnvoll sein.
Mögliche Maßnahmen:
- zusätzliche Produktionsflächen
- neue Lagerkapazitäten
- Personalaufbau
- zusätzliche Vertriebskapazitäten
Standort optimieren#
Nicht jede Analyse muss zu einem neuen Standort führen.
Möglicherweise lassen sich bestehende Nachteile reduzieren.
Beispiele:
- bessere Verkehrsanbindung
- neue Lieferanten
- Automatisierung
- Energieoptimierung
- Remote-Arbeit
- Kooperationen mit Hochschulen
Standort verlagern#
Wenn ein Standort langfristig strukturelle Nachteile besitzt, kann eine Verlagerung geprüft werden.
Dies ist insbesondere relevant bei:
- dauerhaft hohen Kosten
- starkem Fachkräftemangel
- fehlenden Erweiterungsmöglichkeiten
- schlechter Infrastruktur
- sinkendem Marktpotenzial
Eine Verlagerung sollte jedoch immer die vollständigen Wechselkosten berücksichtigen.
Mehrere Standorte kombinieren#
Unternehmen müssen nicht zwangsläufig alle Funktionen an einem Standort bündeln.
Eine mögliche Strategie ist:
Vertrieb dort, wo die Kunden sind.
Produktion dort, wo Kosten und Infrastruktur optimal sind.
Forschung dort, wo qualifizierte Fachkräfte verfügbar sind.
Dadurch entsteht ein Standortportfolio.
Welche Risiken sollte eine Standortanalyse berücksichtigen?#
Neben Chancen sollten immer auch Standort- und Konzentrationsrisiken untersucht werden.
Dazu gehören:
- Naturkatastrophen
- Hochwasser
- Hitze
- Wasserknappheit
- Stromausfälle
- politische Risiken
- geopolitische Konflikte
- Lieferkettenunterbrechungen
- Fachkräftemangel
- starke Abhängigkeit von einzelnen Infrastrukturen
Gerade bei kritischen Produktionsstandorten sollte die Frage gestellt werden:
Was passiert, wenn dieser Standort für mehrere Tage oder Wochen ausfällt?
Dadurch wird die Standortanalyse gleichzeitig Teil des Business Continuity Managements.
Standortanalyse und Szenariotechnik#
Bei langfristigen Standortentscheidungen sollten verschiedene Zukunftsszenarien berücksichtigt werden.
Beispielsweise:
Basisszenario: moderate Entwicklung der Region.
Wachstumsszenario: stärkere Nachfrage und Bevölkerungswachstum.
Kostenszenario: deutlich steigende Löhne und Immobilienpreise.
Risikoszenario: Fachkräftemangel oder infrastrukturelle Engpässe.
Dadurch lässt sich prüfen, wie robust ein Standort gegenüber unterschiedlichen Entwicklungen ist.
Ein Standort, der nur unter sehr optimistischen Annahmen attraktiv ist, kann ein höheres strategisches Risiko darstellen.
Wie häufig sollte eine Standortanalyse aktualisiert werden?#
Standorte verändern sich langsamer als beispielsweise Marktpreise.
Trotzdem sollte die Analyse regelmäßig aktualisiert werden.
Ein möglicher Rhythmus ist:
| Bereich | Aktualisierung |
|---|---|
| Personalkosten | jährlich |
| Arbeitsmarkt | quartalsweise bis jährlich |
| Immobilienpreise | halbjährlich bis jährlich |
| Kaufkraft | jährlich |
| Demografie | jährlich |
| Infrastruktur | jährlich |
| Energie | monatlich bis jährlich |
| Steuern | jährlich |
| strategische Gesamtbewertung | alle 1 bis 3 Jahre |
Bei größeren Investitionsentscheidungen sollte grundsätzlich eine aktuelle Standortanalyse durchgeführt werden.
Standortanalyse als Teil der Unternehmensstrategie#
Eine Standortanalyse sollte nicht isoliert betrachtet werden.
Sie steht in engem Zusammenhang mit:
- Marktanalyse
- Wirtschaftsanalyse
- Wettbewerbsanalyse
- Personalstrategie
- Logistikplanung
- Investitionsrechnung
- Risikomanagement
Erst die Kombination dieser Perspektiven ermöglicht eine belastbare Entscheidung.
Ein Standort kann beispielsweise niedrige Kosten bieten, aber gleichzeitig weit vom wichtigsten Absatzmarkt entfernt sein.
Die günstigste Einzelkennzahl ist deshalb selten entscheidend.
Relevant ist immer das Gesamtbild.
Fazit: Standortanalyse als Grundlage langfristiger Entscheidungen#
Eine Standortanalyse bewertet, wie gut ein bestehender oder potenzieller Standort zu den Anforderungen eines Unternehmens passt.
Dabei sollten sowohl harte Faktoren wie:
- Kosten
- Steuern
- Arbeitskräfte
- Infrastruktur
- Energie
- Marktpotenzial
als auch weiche Faktoren wie:
- Lebensqualität
- Standortimage
- Innovationsumfeld
- Attraktivität für Fachkräfte
berücksichtigt werden.
Entscheidend ist zudem eine langfristige Perspektive.
Standortentscheidungen wirken häufig über viele Jahre oder Jahrzehnte. Deshalb sollten neben aktuellen Daten auch zukünftige Entwicklungen bei Demografie, Arbeitsmarkt, Infrastruktur, Energie und Marktpotenzial berücksichtigt werden.
Die zentrale Logik lautet:
Unternehmensstrategie → Standortanforderungen → Daten → Standortvergleich → Risikoanalyse → Entscheidung
Eine gute Standortanalyse beantwortet damit nicht nur:
„Welcher Standort ist heute günstig?“
Sondern:
„Welcher Standort unterstützt unser Geschäftsmodell langfristig am besten und bleibt auch unter veränderten Rahmenbedingungen wirtschaftlich tragfähig?“
Häufige Fragen zur Standortanalyse#
Was versteht man unter einer Standortanalyse?#
Eine Standortanalyse ist die systematische Bewertung eines bestehenden oder möglichen Unternehmensstandorts. Dabei werden Faktoren wie Marktpotenzial, Arbeitskräfte, Kosten, Infrastruktur, Energie, Steuern und Wettbewerb untersucht.
Welche Faktoren sind bei einer Standortanalyse wichtig?#
Wichtige Standortfaktoren sind unter anderem Kundennähe, Fachkräfte, Personalkosten, Immobilienkosten, Infrastruktur, Energieversorgung, Steuern, Wettbewerb, Lieferanten und Erweiterungsmöglichkeiten.
Was sind harte Standortfaktoren?#
Harte Standortfaktoren lassen sich vergleichsweise objektiv messen. Dazu gehören beispielsweise Mieten, Löhne, Steuern, Transportkosten, Energiepreise und Infrastruktur.
Was sind weiche Standortfaktoren?#
Weiche Standortfaktoren umfassen beispielsweise Lebensqualität, Bildungsangebote, Standortimage, kulturelle Angebote und Attraktivität für Fachkräfte.
Wie führt man eine Standortanalyse durch?#
Zunächst werden Anforderungen und Muss-Kriterien definiert. Danach werden geeignete Regionen ausgewählt, Standortdaten erhoben und mögliche Standorte anhand gewichteter Kriterien miteinander verglichen. Zusätzlich sollten Kosten, Risiken und zukünftige Entwicklungen untersucht werden.
Welche Standorte sollte man vergleichen?#
Neben dem bestehenden Standort sollten naheliegende regionale Alternativen sowie – bei größeren Investitionen – nationale oder internationale Standorte berücksichtigt werden.
Welchen Zeitraum sollte man bei einer Standortanalyse betrachten?#
Für kurzfristige Entscheidungen sind aktuelle Standortdaten relevant. Bei größeren Investitionen sollten zusätzlich Entwicklungen über fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahre berücksichtigt werden.
Wie oft sollte eine Standortanalyse durchgeführt werden?#
Bei wichtigen Investitionsentscheidungen sollte immer eine aktuelle Analyse erfolgen. Bestehende strategisch wichtige Standorte sollten zusätzlich regelmäßig, beispielsweise alle ein bis drei Jahre, neu bewertet werden.
Welche Maßnahmen können aus einer Standortanalyse entstehen?#
Mögliche Maßnahmen sind die Eröffnung, Erweiterung, Optimierung, Verlagerung oder Schließung eines Standorts. Auch die Aufteilung verschiedener Unternehmensfunktionen auf mehrere spezialisierte Standorte kann eine sinnvolle Konsequenz sein.
TOTAL DASHBOARD zeigt, welche wirtschaftlichen Risiken und Chancen fuer Ihr Unternehmen entstehen.
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