Wirtschaftsanalyse

Wirtschaftslexikon · Begriffe · Lesezeit ~15 Min

Was ist eine Wirtschaftsanalyse? Erfahren Sie, welche wirtschaftlichen Daten Unternehmen analysieren sollten, welche Methoden geeignet sind und welche strategischen Maßnahmen sich daraus ableiten lassen.

Wirtschaftsanalyse: Definition, Methoden, Daten und Nutzen für Unternehmen#

Was ist eine Wirtschaftsanalyse?#

Eine Wirtschaftsanalyse ist die systematische Untersuchung wirtschaftlicher Entwicklungen, Rahmenbedingungen und Zusammenhänge mit dem Ziel, deren Auswirkungen auf Unternehmen, Märkte und Investitionsentscheidungen zu beurteilen.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Frage, wie sich die Wirtschaft aktuell entwickelt, sondern vor allem:

Welche wirtschaftlichen Veränderungen sind für das eigene Unternehmen relevant – und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Eine Wirtschaftsanalyse kann sowohl die gesamtwirtschaftliche Entwicklung als auch einzelne Branchen, Regionen, Länder oder Unternehmensstandorte betrachten.

Typische Fragestellungen sind beispielsweise:

  • Wie entwickelt sich die Konjunktur?
  • Steigt oder sinkt die Nachfrage?
  • Wie entwickeln sich Preise und Inflation?
  • Welche Auswirkungen haben Zinsen auf Investitionen und Finanzierung?
  • Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt?
  • Wie verändern sich Löhne und Personalkosten?
  • Wie entwickeln sich Energie- und Rohstoffpreise?
  • Welche Regionen wachsen besonders stark?
  • Welche Länder oder Standorte werden attraktiver?
  • Welche Risiken bestehen für Absatz, Einkauf oder Finanzierung?
  • Sollte ein Unternehmen investieren, expandieren oder vorsichtiger planen?

Eine Wirtschaftsanalyse ist damit ein wichtiges Instrument der strategischen Unternehmensplanung, Investitionsplanung, Standortanalyse, Marktbeobachtung und Risikosteuerung.


Was wird bei einer Wirtschaftsanalyse analysiert?#

Eine umfassende Wirtschaftsanalyse untersucht mehrere Ebenen gleichzeitig. Dabei reicht es normalerweise nicht aus, lediglich das Bruttoinlandsprodukt oder die Inflationsrate zu betrachten. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener wirtschaftlicher Faktoren.

1. Gesamtwirtschaftliche Entwicklung#

Zunächst wird betrachtet, wie sich eine Volkswirtschaft insgesamt entwickelt.

Wichtige Fragestellungen sind:

  • Wächst die Wirtschaft?
  • Stagniert sie?
  • Befindet sie sich in einer Rezession?
  • Wie stark schwankt die wirtschaftliche Aktivität?
  • Welche Wirtschaftsbereiche tragen zum Wachstum bei?

Eine häufig verwendete Kennzahl ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Es zeigt vereinfacht den Wert der innerhalb eines Landes produzierten Waren und Dienstleistungen. Für Unternehmen ist allerdings weniger die absolute Größe des BIP entscheidend als dessen Entwicklung. Ein steigendes BIP kann beispielsweise auf zunehmende wirtschaftliche Aktivität hindeuten. Ein rückläufiges BIP kann dagegen auf schwächere Nachfrage und zunehmende wirtschaftliche Risiken hinweisen.


2. Konjunktur#

Die Konjunkturanalyse untersucht kurzfristige und mittelfristige Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität. Typischerweise werden verschiedene Konjunkturphasen unterschieden:

Aufschwung → Hochkonjunktur → Abschwung → Rezession → Erholung

Für Unternehmen können diese Phasen erhebliche Auswirkungen haben.

Während eines Aufschwungs können beispielsweise:

  • Nachfrage,
  • Investitionen,
  • Beschäftigung und
  • Preise

steigen.

Während eines Abschwungs können dagegen Nachfrage und Investitionsbereitschaft zurückgehen. Für Unternehmensentscheidungen ist deshalb besonders wichtig, nicht nur die aktuelle Konjunkturlage zu kennen, sondern mögliche Wendepunkte frühzeitig zu erkennen.


Welche wirtschaftlichen Bereiche sollten analysiert werden?#

Inflation und Preisentwicklung#

Inflation beschreibt die allgemeine Veränderung des Preisniveaus. Für Unternehmen kann sie gleich mehrfach relevant sein.

Steigende Preise können beispielsweise zu höheren:

  • Materialkosten,
  • Energiekosten,
  • Personalkosten,
  • Logistikkosten und
  • Finanzierungskosten

führen.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob das Unternehmen diese Kostensteigerungen an seine Kunden weitergeben kann. Deshalb ist nicht nur die allgemeine Inflationsrate wichtig. Unternehmen sollten zusätzlich die Preisentwicklung ihrer konkreten Kostenstruktur beobachten. Ein Produktionsunternehmen kann beispielsweise wesentlich stärker von Metall- und Energiepreisen betroffen sein als vom allgemeinen Verbraucherpreisindex.


Zinsen#

Zinsen beeinflussen Finanzierung, Investitionen und Nachfrage. Steigende Zinsen können Kredite verteuern und dadurch Investitionen weniger attraktiv machen. Dies betrifft sowohl Unternehmen als auch deren Kunden.

Besonders zinssensible Bereiche sind beispielsweise:

  • Immobilien
  • Bauwirtschaft
  • Maschinenbau
  • Fahrzeuge
  • langlebige Konsumgüter
  • fremdfinanzierte Investitionen

Unternehmen mit hoher Fremdfinanzierung sollten die Zinsentwicklung deshalb besonders genau beobachten.


Arbeitsmarkt#

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes liefert wichtige Informationen über die wirtschaftliche Situation.

Relevant sind beispielsweise:

  • Arbeitslosenquote
  • Beschäftigungsentwicklung
  • offene Stellen
  • Fachkräfteangebot
  • Lohnentwicklung
  • Arbeitskosten

Für Unternehmen ist der Arbeitsmarkt sowohl auf der Absatz- als auch auf der Kostenseite relevant. Eine hohe Beschäftigung kann beispielsweise die Konsumnachfrage unterstützen. Gleichzeitig kann ein angespannter Arbeitsmarkt zu höheren Löhnen und Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung führen.


Einkommen und Kaufkraft#

Für Unternehmen mit privaten Endkunden ist die Entwicklung der verfügbaren Einkommen besonders wichtig. Dabei sollte nicht nur das nominale Einkommen betrachtet werden. Entscheidend ist die reale Kaufkraft. Steigen Einkommen beispielsweise um 3 %, während Verbraucherpreise um 5 % zunehmen, sinkt die reale Kaufkraft. Dies kann insbesondere bei nicht notwendigen Produkten zu einer geringeren Nachfrage führen.


Konsum#

Die Konsumentwicklung ist für zahlreiche Branchen ein wichtiger Wirtschaftsindikator.

Analysiert werden können beispielsweise:

  • Einzelhandelsumsätze
  • Konsumklima
  • Sparquote
  • Verbrauchervertrauen
  • private Konsumausgaben

Insbesondere Stimmungsindikatoren können Hinweise darauf geben, wie Verbraucher ihre zukünftige wirtschaftliche Situation einschätzen.


Unternehmensinvestitionen#

Investitionen geben Hinweise darauf, wie Unternehmen ihre zukünftige Geschäftsentwicklung beurteilen.

Relevant sind beispielsweise Investitionen in:

  • Maschinen
  • Produktionsanlagen
  • Immobilien
  • Digitalisierung
  • Forschung und Entwicklung
  • Software

Sinkende Investitionen können auf zunehmende Unsicherheit oder schwache Wachstumserwartungen hindeuten. Steigende Investitionen können dagegen auf wirtschaftlichen Optimismus und Kapazitätsausbau hinweisen.


Energie und Rohstoffe#

Energie- und Rohstoffpreise können erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen haben.

Besonders relevant können sein:

  • Strom
  • Erdgas
  • Erdöl
  • Metalle
  • Agrarrohstoffe
  • Chemierohstoffe

Entscheidend ist dabei weniger, sämtliche Rohstoffmärkte zu verfolgen.

Unternehmen sollten diejenigen Faktoren analysieren, die einen wesentlichen Einfluss auf ihre eigene Kostenstruktur oder Lieferkette besitzen.


Außenhandel#

Für exportorientierte Unternehmen sind internationale Handelsentwicklungen besonders wichtig.

Beobachtet werden können beispielsweise:

  • Exporte
  • Importe
  • Handelsbilanz
  • Nachfrage wichtiger Handelspartner
  • Zölle
  • Handelsrestriktionen
  • Lieferketten
  • geopolitische Risiken

Ein Unternehmen kann wirtschaftlich stark von einem anderen Land abhängig sein, obwohl es dort keinen eigenen Standort besitzt.


Wechselkurse#

Unternehmen mit internationalen Kunden, Lieferanten oder Produktionsstandorten sollten Wechselkurse berücksichtigen.

Wechselkursänderungen können:

  • Einkaufspreise verändern,
  • Exportprodukte verteuern oder verbilligen,
  • Margen beeinflussen und
  • die Wettbewerbsfähigkeit verändern.

Besonders relevant ist daher die Betrachtung der Währungen wichtiger Absatz- und Beschaffungsmärkte.


Wie wird eine Wirtschaftsanalyse durchgeführt?#

Eine professionelle Wirtschaftsanalyse sollte einem strukturierten Ablauf folgen.

1. Fragestellung definieren#

Am Anfang sollte eine konkrete unternehmerische Frage stehen.

Beispielsweise:

Soll die Produktionskapazität erweitert werden?

Ist ein neuer Standort wirtschaftlich attraktiv?

Wie entwickelt sich die Nachfrage in unserem wichtigsten Absatzmarkt?

Müssen wir mit steigenden Finanzierungskosten rechnen?

Welche wirtschaftlichen Risiken bestehen für unsere Planung?

Ohne konkrete Fragestellung besteht die Gefahr, große Mengen wirtschaftlicher Daten zu sammeln, ohne daraus relevante Entscheidungen ableiten zu können.


2. Relevante Einflussfaktoren identifizieren#

Anschließend wird untersucht, welche wirtschaftlichen Faktoren die jeweilige Entscheidung beeinflussen.

Bei einem Bauunternehmen könnten dies beispielsweise sein:

  • Zinsen
  • Immobilienpreise
  • Baugenehmigungen
  • Materialpreise
  • Fachkräfte
  • öffentliche Investitionen

Bei einem Einzelhändler wären dagegen möglicherweise relevanter:

  • Kaufkraft
  • Inflation
  • Konsumklima
  • Beschäftigung
  • Bevölkerungsentwicklung

Eine Wirtschaftsanalyse sollte deshalb immer unternehmens- und branchenspezifisch aufgebaut werden.


3. Daten sammeln#

Im nächsten Schritt werden geeignete Datenquellen ausgewählt.

Wichtig sind dabei:

  • Aktualität
  • Vergleichbarkeit
  • Datenqualität
  • Kontinuität
  • ausreichende historische Zeitreihen

Besonders hilfreich sind Daten, die über längere Zeiträume nach derselben Methodik erhoben wurden.


4. Entwicklungen vergleichen#

Ein einzelner Wert besitzt häufig nur begrenzte Aussagekraft.

Eine Inflationsrate von beispielsweise 3 % wird erst durch Vergleich verständlich.

Relevant sind unter anderem:

  • Vergleich zum Vormonat
  • Vergleich zum Vorjahr
  • langfristiger Durchschnitt
  • Vergleich mit Wettbewerbsregionen
  • Vergleich verschiedener Länder

Entscheidend ist deshalb nicht nur der aktuelle Wert, sondern dessen Trend und relative Position.


5. Zusammenhänge analysieren#

Im nächsten Schritt werden wirtschaftliche Zusammenhänge untersucht.

Beispielsweise:

Zinsen steigen\
↓\
Finanzierungen werden teurer\
↓\
Investitionen gehen zurück\
↓\
Nachfrage nach Investitionsgütern sinkt möglicherweise

Solche Wirkungsketten helfen Unternehmen, aus volkswirtschaftlichen Entwicklungen konkrete Folgen für das eigene Geschäft abzuleiten.


6. Szenarien entwickeln#

Da wirtschaftliche Entwicklungen nie vollständig vorhersehbar sind, sollte eine gute Wirtschaftsanalyse nicht ausschließlich mit einer Prognose arbeiten.

Sinnvoll ist die Entwicklung mehrerer Szenarien.

Beispielsweise:

Basisszenario: moderate wirtschaftliche Entwicklung

Positivszenario: stärkeres Wachstum und steigende Nachfrage

Negativszenario: Rezession, schwächere Nachfrage und steigende Kosten

Für jedes Szenario können entsprechende Unternehmensmaßnahmen vorbereitet werden.


Welche Daten sind für eine Wirtschaftsanalyse wichtig?#

Die Auswahl der Daten hängt stark vom Geschäftsmodell ab.

Ein grundlegendes wirtschaftliches Dashboard könnte jedoch folgende Bereiche enthalten:

BereichWichtige Kennzahlen
WirtschaftswachstumBIP, BIP-Wachstum
KonjunkturGeschäftsklima, Einkaufsmanagerindizes
PreiseInflation, Erzeugerpreise
ZinsenLeitzinsen, Kreditzinsen, Anleiherenditen
ArbeitsmarktBeschäftigung, Arbeitslosigkeit, offene Stellen
EinkommenLöhne, verfügbare Einkommen, Kaufkraft
KonsumEinzelhandelsumsätze, Konsumklima
InvestitionenAnlageinvestitionen, Auftragseingänge
IndustrieIndustrieproduktion, Kapazitätsauslastung
AußenhandelExporte, Importe
Währungenrelevante Wechselkurse
EnergieStrom-, Gas- und Ölpreise
Rohstoffebranchenspezifische Rohstoffpreise
ImmobilienPreise, Mieten, Baugenehmigungen
BevölkerungEinwohnerzahl, Altersstruktur, Migration

Diese Daten sollten allerdings nicht alle gleich gewichtet werden.

Ein Unternehmen benötigt vielmehr ein eigenes Set wirtschaftlicher Schlüsselindikatoren.


Frühindikatoren und Spätindikatoren#

Für Unternehmer ist eine weitere Unterscheidung besonders wichtig.

Einige Kennzahlen zeigen, was bereits passiert ist. Andere können Hinweise auf zukünftige Entwicklungen liefern.

Frühindikatoren#

Frühindikatoren können wirtschaftlichen Entwicklungen vorauslaufen.

Beispiele sind:

  • Auftragseingänge
  • Geschäftserwartungen
  • Einkaufsmanagerindizes
  • Baugenehmigungen
  • offene Stellen
  • Unternehmensbefragungen
  • Verbrauchervertrauen
  • Finanzierungsbedingungen

Sie sind besonders wertvoll, weil Unternehmen dadurch möglicherweise reagieren können, bevor sich eine Entwicklung vollständig in Umsatz oder Nachfrage niederschlägt.

Gleichlaufende Indikatoren#

Diese spiegeln die gegenwärtige wirtschaftliche Aktivität wider.

Beispiele:

  • Produktion
  • Umsätze
  • Konsum
  • Beschäftigung

Spätindikatoren#

Spätindikatoren reagieren erst, nachdem sich die wirtschaftliche Situation bereits verändert hat.

Ein Beispiel kann die Arbeitslosenquote sein.

Eine gute Wirtschaftsanalyse kombiniert deshalb unterschiedliche Indikatorentypen.


Welche Ableitungen können Unternehmer aus einer Wirtschaftsanalyse treffen?#

Die entscheidende Aufgabe besteht darin, gesamtwirtschaftliche Daten in unternehmensspezifische Auswirkungen zu übersetzen.

Dafür eignet sich eine Wirkungskette:

Wirtschaftliche Entwicklung → Markt → Unternehmen → Ergebnis

Beispiel:

Inflation steigt\
↓\
Material- und Lohnkosten steigen\
↓\
Herstellkosten erhöhen sich\
↓\
Marge sinkt\
↓\
Preisstrategie muss überprüft werden

Oder:

Zinsen sinken\
↓\
Finanzierungen werden günstiger\
↓\
Investitionsbereitschaft steigt\
↓\
Nachfrage nach Maschinen nimmt zu\
↓\
Kapazitätsausbau könnte sinnvoll werden

Diese Übersetzung ist der Kern einer unternehmerischen Wirtschaftsanalyse.


Welche Maßnahmen können Unternehmen daraus ableiten?#

Aus einer Wirtschaftsanalyse können zahlreiche operative und strategische Maßnahmen entstehen.

Investitionen anpassen#

Verbessern sich Nachfrageaussichten und Finanzierungsmöglichkeiten, kann dies für Investitionen sprechen.

Bei steigender wirtschaftlicher Unsicherheit kann dagegen eine schrittweise Investitionsstrategie sinnvoller sein.


Liquidität sichern#

Bei erhöhten wirtschaftlichen Risiken können Unternehmen:

  • Liquiditätsreserven erhöhen
  • Kreditlinien sichern
  • Forderungsmanagement verbessern
  • Zahlungsziele überprüfen
  • Investitionen priorisieren

Insbesondere in konjunkturellen Abschwüngen kann Liquidität strategisch wichtiger werden als kurzfristige Rentabilitätsoptimierung.


Preise überprüfen#

Bei steigenden Kosten muss analysiert werden, ob Preisanpassungen erforderlich und am Markt durchsetzbar sind.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • Listenpreise erhöhen
  • Rabatte reduzieren
  • Preisstaffeln anpassen
  • Vertragsklauseln überarbeiten
  • Produktmix verändern

Einkauf absichern#

Steigende Rohstoff- oder Energiepreise können Maßnahmen wie folgende erforderlich machen:

  • langfristige Lieferverträge
  • alternative Lieferanten
  • höhere Lagerbestände bei kritischen Komponenten
  • regionale Diversifikation
  • Preisabsicherung

Die konkrete Maßnahme hängt von Kosten, Risiko und Marktstruktur ab.


Personalplanung verändern#

Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten können auch die Personalstrategie beeinflussen.

Bei zunehmendem Fachkräftemangel können Unternehmen beispielsweise:

  • früher rekrutieren,
  • Ausbildungsprogramme ausbauen,
  • Automatisierung forcieren oder
  • Standorte mit besserem Arbeitskräfteangebot prüfen.

Absatzmärkte diversifizieren#

Zeigt die Analyse eine hohe Abhängigkeit von einem wirtschaftlich schwachen Markt, können zusätzliche Regionen oder Kundensegmente interessant werden.

Diversifikation kann wirtschaftliche Schwankungen reduzieren.


Produktportfolio anpassen#

Verändert sich die Kaufkraft, kann auch das Produktportfolio angepasst werden.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten können beispielsweise:

  • günstigere Produktvarianten,
  • kleinere Verpackungseinheiten,
  • Finanzierungsmodelle oder
  • besonders effiziente Produkte

an Bedeutung gewinnen.


Welchen Zeitraum sollte eine Wirtschaftsanalyse berücksichtigen?#

Eine gute Wirtschaftsanalyse betrachtet mehrere Zeithorizonte gleichzeitig. Nur den aktuellen Monat zu analysieren, reicht normalerweise nicht aus.

Kurzfristig: 0 bis 12 Monate#

Die kurzfristige Analyse eignet sich insbesondere für:

  • Liquiditätsplanung
  • Einkauf
  • Preisentscheidungen
  • Personalplanung
  • Absatzprognosen

Hier spielen aktuelle Konjunkturdaten und Frühindikatoren eine große Rolle.


Mittelfristig: 1 bis 3 Jahre#

Dieser Zeitraum ist relevant für:

  • Investitionsplanung
  • Kapazitätsplanung
  • Personalstrategie
  • Produktentwicklung
  • Budgetplanung

Dabei sollten neben aktuellen Wirtschaftsdaten auch strukturelle Entwicklungen berücksichtigt werden.


Langfristig: 3 bis 10 Jahre und mehr#

Langfristige Analysen werden insbesondere für strategische Entscheidungen benötigt.

Beispiele sind:

  • Standortentscheidungen
  • neue Produktionsanlagen
  • Markteintritte
  • Unternehmensübernahmen
  • Technologieentscheidungen

Hier gewinnen Faktoren wie:

  • Demografie
  • Infrastruktur
  • Energieversorgung
  • Bildung
  • Digitalisierung
  • Produktivität

stärker an Bedeutung.


Wie weit sollte man historische Daten zurückverfolgen?#

Zusätzlich zur Prognose sollte eine Wirtschaftsanalyse ausreichend historische Daten berücksichtigen. Für viele Kennzahlen sind fünf bis zehn Jahre ein sinnvoller Ausgangspunkt.

Damit lassen sich:

  • Konjunkturzyklen,
  • außergewöhnliche Entwicklungen,
  • langfristige Trends und
  • saisonale Schwankungen

besser einordnen. Bei strategischen Standort- oder Investitionsentscheidungen können auch 15 oder 20 Jahre sinnvoll sein. Die richtige Zeitspanne hängt daher von der Fragestellung ab.


Welche Standorte sollte man analysieren?#

Eine Wirtschaftsanalyse sollte nicht automatisch nur das Land betrachten, in dem sich der Unternehmenssitz befindet.

Relevant sind alle geografischen Räume, die einen wesentlichen Einfluss auf das Unternehmen besitzen.

1. Eigener Unternehmensstandort#

Hier sind insbesondere relevant:

  • Arbeitskräfte
  • Lohnniveau
  • Gewerbeflächen
  • Infrastruktur
  • Energieversorgung
  • Steuern und Abgaben
  • regionale Nachfrage

2. Absatzmärkte#

Unternehmen sollten Regionen analysieren, in denen wesentliche Umsätze erzielt werden.

Ein deutsches Unternehmen mit hohem Umsatzanteil in Frankreich und den USA sollte deshalb auch die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder beobachten.


3. Beschaffungsmärkte#

Auch wichtige Lieferländer gehören zur Wirtschaftsanalyse.

Relevant sind beispielsweise:

  • Wirtschaftsstabilität
  • Wechselkurse
  • Arbeitskosten
  • Energiepreise
  • Transportwege
  • politische Risiken

4. Wettbewerbsstandorte#

Es kann sinnvoll sein, Regionen zu analysieren, in denen wichtige Wettbewerber produzieren oder expandieren. Dadurch können mögliche Kostenvorteile oder strukturelle Veränderungen im Wettbewerb erkannt werden.


5. Potenzielle neue Standorte#

Bei Expansionsentscheidungen sollten mehrere Standorte miteinander verglichen werden.

Wichtige Kriterien können sein:

  • Wirtschaftswachstum
  • Marktpotenzial
  • Kaufkraft
  • Bevölkerungsentwicklung
  • Fachkräfte
  • Lohnkosten
  • Immobilienkosten
  • Verkehrsanbindung
  • Energie
  • Regulierung
  • Steuern
  • Förderprogramme

Welche geografische Ebene ist sinnvoll?#

Je nach Unternehmen können unterschiedliche Ebenen relevant sein:

Global für Rohstoffe, Energie, Handel und globale Konjunktur.

Länder für Steuern, Regulierung, Wirtschaftswachstum und Währungen.

Regionen oder Bundesländer für Arbeitsmarkt, Bevölkerung und Wirtschaftsstruktur.

Städte und Landkreise für konkrete Standortentscheidungen.

Eine Standortanalyse sollte deshalb nach dem Prinzip erfolgen:

so großräumig wie nötig, aber so lokal wie möglich.

Ein bundesweiter Durchschnitt kann für eine konkrete Standortentscheidung nur begrenzt hilfreich sein, wenn sich beispielsweise Arbeitskosten und Fachkräfteangebot regional stark unterscheiden.


Wie häufig sollte eine Wirtschaftsanalyse aktualisiert werden?#

Nicht alle Kennzahlen müssen täglich überprüft werden.

Eine mögliche Struktur ist:

BereichBeobachtungsrhythmus
Zinsen und Währungentäglich bis wöchentlich
Energie und Rohstoffetäglich bis monatlich
Konjunkturindikatorenmonatlich
Inflationmonatlich
Arbeitsmarktmonatlich
BIPquartalsweise
Unternehmensplanungquartalsweise
Standortanalysejährlich bzw. anlassbezogen
langfristige Wirtschaftsstrategiejährlich

Bei außergewöhnlichen Ereignissen kann eine häufigere Neubewertung notwendig werden.


Ein praktisches Wirtschaftsdashboard für Unternehmer#

Statt Dutzende Kennzahlen einzeln zu verfolgen, kann ein Unternehmen ein kompaktes Wirtschaftsdashboard erstellen.

Beispielsweise mit zwölf Kernindikatoren:

1. Wirtschaftswachstum

2. Geschäftsklima

3. Auftragseingang der eigenen Branche

4. Inflation

5. relevante Einkaufspreise

6. Energiepreise

7. Zinsniveau

8. Wechselkurse

9. Arbeitsmarkt

10. Lohnentwicklung

11. Konsum oder Investitionsnachfrage

12. wirtschaftliche Entwicklung der wichtigsten Absatzländer

Jeder Indikator kann zusätzlich mit einer einfachen Bewertung versehen werden:

positiv – neutral – negativ

Noch hilfreicher ist die Frage:

Welche konkrete Auswirkung hat die Entwicklung auf Umsatz, Kosten, Liquidität und Risiko?

Dadurch wird aus einem volkswirtschaftlichen Bericht ein praktisches Führungsinstrument.


Wirtschaftsanalyse ist keine Wirtschaftsprognose#

Eine wichtige Abgrenzung:

Eine Wirtschaftsanalyse soll nicht den Eindruck erwecken, wirtschaftliche Entwicklungen exakt vorhersagen zu können. Ökonomische Systeme sind komplex und werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Deshalb sollte eine Analyse nicht ausschließlich mit einer einzigen Prognose arbeiten.

Besser sind:

  • Trends,
  • Bandbreiten,
  • Wahrscheinlichkeiten,
  • Szenarien und
  • Frühwarnindikatoren.

Für Unternehmer ist die entscheidende Frage häufig nicht:

„Wie sieht die Wirtschaft in zwölf Monaten exakt aus?“

Sondern:

„Welche Entwicklungen sind plausibel und wie robust ist unser Unternehmen gegenüber unterschiedlichen Szenarien?“


Fazit: Wirtschaftsanalyse als Grundlage unternehmerischer Entscheidungen#

Eine Wirtschaftsanalyse untersucht wirtschaftliche Rahmenbedingungen und deren mögliche Auswirkungen auf ein Unternehmen.

Dabei sollten nicht nur klassische volkswirtschaftliche Kennzahlen wie BIP, Inflation und Arbeitslosigkeit betrachtet werden. Ebenso wichtig sind Zinsen, Kaufkraft, Arbeitskosten, Rohstoffe, Energie, Wechselkurse, Investitionen und branchenspezifische Frühindikatoren.

Entscheidend ist jedoch nicht die Menge der Daten.

Eine gute Wirtschaftsanalyse stellt einen direkten Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Unternehmensentscheidung her:

Wirtschaftsdaten → Marktauswirkung → Unternehmensauswirkung → Maßnahme

Unternehmen können daraus beispielsweise Entscheidungen zu Investitionen, Preisen, Liquidität, Personal, Einkauf, Absatzmärkten oder Standorten ableiten.

Zeitlich sollte die Analyse kurzfristige Entwicklungen ebenso berücksichtigen wie mittel- und langfristige Trends. Geografisch sollten neben dem eigenen Standort auch wichtige Absatzmärkte, Beschaffungsmärkte und potenzielle zukünftige Standorte untersucht werden.

Damit wird die Wirtschaftsanalyse zu einem strategischen Frühwarn- und Steuerungsinstrument.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur:

„Wie entwickelt sich die Wirtschaft?“

Sondern:

„Was bedeutet diese Entwicklung konkret für unser Unternehmen – und welche Entscheidung sollten wir daraus ableiten?“


Häufige Fragen zur Wirtschaftsanalyse#

Was versteht man unter einer Wirtschaftsanalyse?#

Eine Wirtschaftsanalyse untersucht systematisch wirtschaftliche Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Unternehmen, Märkte oder Investitionen. Dazu werden beispielsweise Wachstum, Inflation, Zinsen, Arbeitsmarkt, Kaufkraft und Kostenentwicklungen analysiert.

Welche Daten sind für Unternehmen besonders wichtig?#

Das hängt vom Geschäftsmodell ab. Häufig relevant sind BIP-Wachstum, Inflation, Zinsen, Arbeitsmarkt, Löhne, Energie- und Rohstoffpreise, Wechselkurse, Konsum, Investitionen und branchenspezifische Nachfrageindikatoren.

Wie führt man eine Wirtschaftsanalyse durch?#

Zunächst wird die konkrete Fragestellung definiert. Danach werden relevante Einflussfaktoren und Kennzahlen bestimmt, Daten gesammelt und historische Entwicklungen analysiert. Anschließend werden Wirkungsketten und Szenarien entwickelt und daraus mögliche Unternehmensmaßnahmen abgeleitet.

Welchen Zeitraum sollte man betrachten?#

Für operative Entscheidungen können 6 bis 12 Monate relevant sein. Strategische Planungen sollten häufig 1 bis 3 Jahre berücksichtigen. Bei Standort-, Technologie- oder Investitionsentscheidungen können auch Zeiträume von 5 bis 10 Jahren und länger sinnvoll sein.

Welche Regionen sollte ein Unternehmen analysieren?#

Neben dem eigenen Standort sollten wichtige Absatzländer, Beschaffungsmärkte, Lieferländer, Wettbewerbsregionen und potenzielle neue Standorte berücksichtigt werden.

Welche Maßnahmen können aus einer Wirtschaftsanalyse entstehen?#

Mögliche Maßnahmen sind unter anderem Investitionen, Preisanpassungen, Liquiditätssicherung, Lieferantendiversifikation, Personalmaßnahmen, neue Absatzmärkte, Anpassungen des Produktportfolios oder Veränderungen der Standortstrategie.

Wie oft sollte eine Wirtschaftsanalyse durchgeführt werden?#

Eine grundlegende Analyse kann quartalsweise oder jährlich erfolgen. Besonders wichtige Frühindikatoren wie Zinsen, Rohstoffpreise, Wechselkurse oder Auftragseingänge sollten je nach Geschäft deutlich häufiger beobachtet werden.

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